Geld
Die Älteren rechnen häufig noch in D-Mark

Jahrzehntelang hat die Deutsche Mark die Bürger begleitet. Doch das ist längst Geschichte: Im Januar 2002 eingeführt, startet der Euro jetzt ins zehnte Jahr. Wohl die meisten Kemptener und Oberallgäuer haben sich bei Reisen ins europäische Ausland schon gefreut, dass man sich nicht mehr mit komplizierten Wechselkursen befassen muss. Doch auch wenn manches leichter wurde für Handel, Tourismus und Industrie - in vielen Köpfen ist die D-Mark noch fest verankert.

«Ein Cappuccino, 3,20. Des wären früher ja über sechs Mark gewesen.» Solche Rechnungen hört man in vielen Läden in der Stadt nach wie vor. «Mir geht es manchmal auch so, dass ich schnell im Kopf die aktuellen Preise mal zwei nehme um die Relation zur D-Mark zu haben», erzählt eine 43 Jahre alte Kemptenerin. Auch wenn sie weiß, dass der Vergleich heute hinkt - «wenn sie mir in Mark zu teuer erscheint, leg ich die schicke Bluse wieder zurück.»

Diskussionen über den «Teuro»

In lebhafter Erinnerung ist die Einführung des Euro noch in der Gastronomie. «Da gab es schon Diskussionen über den Teuro», erzählt Rüdiger Preschel, Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbands Kempten-Oberallgäu. Er hat damals seine alten Speisekarten aufgehoben, um nachweisen zu können, dass er bei der Umstellung nicht übers Ziel hinausgeschossen ist.

Mittlerweile habe sich die Debatte gelegt. «Vereinzelt sagt noch einer drei Euro fürs Weizen - ich hätt doch nie sechs Mark bezahlt», sei so eine Kritik. Aber da werde auch vergessen, dass das bald zehn Jahre her ist.

Im Einzelhandel sei die Mark als direktes Zahlungsmittel längst nicht mehr präsent, berichtet Klaus-Michael Kurz, Geschäftsführer von Galeria Kaufhof. Er selbst überschlage allerdings auch noch zwischendurch, wie mancher Preis in Mark ausgefallen wäre. Wenn man sich beim Verkaufspersonal umhört, ist es nicht anders: «Viele ältere Kunden rechnen automatisch um.»

Bei den Geldinstituten spiele die D-Mark kaum mehr eine Rolle, sagt der Vorstand der Raiffeisenbank Kempten, Rainer Schaidnagel. Nur vereinzelt ließen noch Kunden kleinere Beträge umtauschen. Was Bankgeschäfte angehe, sei längst der Euro etabliert. «Wer heute 10000 Euro anlegen will, rechnet nicht um, was das in Mark bedeutet hätte.» Seiner Erfahrung nach spricht bei den Jüngeren gar niemand mehr über die D-Mark.

Andere Gründe für höhere Preise

Falsch wäre nach Ansicht von Experten der Schluss, dass mit dem Euro alles teurer wurde. Denn zur Preisentwicklung komme der technische Fortschritt. Beispiel Auto: Fahrzeuge böten heute mehr Extras und technische Errungenschaften als vor zehn Jahren.

Ähnlich verhalte es sich bei Immobilien: Neue Baustoffe, Vorgaben zum energiesparenden Bauen und entsprechende Techniken ließen die Kosten steigen, heißt es bei der Volksbank Immenstadt. (uw/se)

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