Dicke Luft auch ohne Qualm

Oberallgäu | uw | Seit Jahresbeginn gilt in Bayern absolutes Rauchverbot in öffentlich zugänglichen Räumen. Eine Vorgabe, die je nach Lokal und Kundenstamm Ärger oder Zustimmung findet. Wie fragten Wirte nach ersten Erfahrungen. Egal wie sie das Gesetz umgesetzt haben: Viele ärgert, dass ihnen keine Entscheidungsfreiheit blieb. Und auch vor dem Tresen herrscht bei manchen Kunden dicke Luft.

Kein Problem mit dem Rauchverbot haben Thomas Ege und Petra Grünwald im Sonthofer Restaurant 'Marend'. Schon bisher hätten höchstens zwei Prozent der Gäste im Lokal geraucht, da sich das mit Feinschmecker-Essen und besonderen Aromen nicht so vertrage. Ähnlich im 'Café Amt': Auch da gehen Gäste jetzt für die Zigarette friedlich ins Freie. Christian Haltmayr: 'Die Menschen kommen zu uns, weil sie andere Leute treffen wollen und nicht, um zu rauchen.'

Anfangs geduldet hat Marco Heimbuch den Qualm im 'Hexenkessel'. Jetzt ist damit Schluss. Allerdings nur, bis der Raucherclub unter Dach und Fach ist. Von seinen Gästen seien 98 Prozent Stammkunden, davon höchstens ein Fünftel Nichtraucher. 'Meine Gäste sollen weiter rauchen dürfen; ich schicke sie nicht auf die Straße', sagt Gabi Müller ('ToGa’s Stüble'). Die Möglichkeiten dafür will sie prüfen. Eine Existenzfrage, denn erste Stammgäste hätten angekündigt, bei Rauchverbot daheim zu bleiben.

Wolfgang Unterweger schätzt im 'Club Seven' den Raucheranteil auf 80 Prozent. Darunter seien viele Gastronomiekräfte, die durch das Verbot am Arbeitsplatz wenigstens zum Feierabendbier rauchen wollten. Unterweger hat seinen Betrieb zum Musik- und Tanzclub für Mitglieder umgestellt. Noch lieber wäre Unterweger die Möglichkeit eines Raucherraums gewesen. Die Raucher ins Freie zu schicken, sei wegen der Anlieger keine Lösung. Auch das 'Sudhaus' will als 'Tanzclub' nur Mitglieder einlassen.

Eine Sauerei, wettert Bastl Ischkum in der Immenstädter Pilsbar und will einen Raucherclub etablieren. Er zählte nachts unter 90 Gästen sieben Nichtraucher. Müssten alle anderen vor die Tür, wäre mit den Nachbarn 'Ärger ohne Ende' zu erwarten. Sauer ist der Wirt, weil in geschlossenen Vereinsheimen ('größte Konkurrenz der Steuern zahlenden Gastronomie') weiter geraucht werden dürfe. Er hofft, dass die CSU bei der Landtagswahl die Mehrheit verliert. Im 'Relax' läuft das Tagesgeschäft laut Toni Sentürk wie immer. Abends sei der Umsatz gesunken, seit das Rauchen tabu ist. Weil sich der Hotel- und Gaststättenverband im Vorfeld zu wenig gegen das Gesetz engagiert habe, wolle er dort die Mitgliedschaft kündigen.

Keine Diskussion gibt es in Oberstaufens Weinstube 'Zum Goißgäßle'. Die Gäste begrüßten die Regelung, sagt Karin Zettler. Und die wenigen, die einmal rauchen wollten, gingen kurz hinaus. Das müssen auch die Besucher im '5ty/5ty', weshalb Manfred Hindelang Probleme mit Anliegern fürchtet. Sorgen macht auch der am vergangenen Wochenende um 20 bis 30 Prozent gesunkene Umsatz.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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