Haldenwang «
Deutschland «ein gelobtes Land»

Es ist so schön ruhig im Allgäu und so grün», sagt die junge Chinesin Yuan Mo. Natürlich spricht sie nicht deutsch, sondern englisch. Das lernt die schlanke 14-Jährige mit der modernen roten Brille schon seit fast vier Jahren. Yuan Mo ist Mitglied einer zwölfköpfigen Reisegruppe aus China, ganz genau genommen aus dem Süden Pekings. Dort gebe es viel Verkehr, alles sei eng und dicht mit Hochhäusern bebaut. Anders in Haldenwang, wo Yuan Mo vier Tage bei Gasteltern verbringt.

Nachwuchs auf Reisen schicken

Warum zieht es die Chinesen ausgerechnet nach Deutschland? Reiseleiter Yue Geng, aus China stammender Deutscher, glaubt, die Antwort zu kennen. «Deutschland ist für Chinesen ein gelobtes Land, ein Land mit Vorbildcharakter.» Deutsches Bier sei in China beliebt, die deutschen Fußballer berühmt und deutsche Klassik gern gehört. Wer seinen Kindern etwas bieten wolle - es gebe immer mehr wohlhabende Familien unter den 1,33 Milliarden Chinesen - der schicke den Nachwuchs auf Reisen. Nach Deutschland zum Beispiel.

Das Essen mit viel Brot sei den Gästen freilich fremd. «Zum Frühstück gibt es in China Fleisch, Reis und mehr. So reichlich, wie wir zu Mittag essen,» weiß der Börwanger Manfred Müller, der den Aufenthalt in Haldenwang mit organisiert hat. Gastfamilien zu finden sei leicht gewesen. «Es hätten doppelt so viele kommen können», sagt Bürgermeister Anton Klotz beim Mittagessen im Gasthof «Sonne» bei Spätzle und Truthahnschnitzel mit chinesischem Besuch und Haldenwanger Gastfamilien.

Hälfte des Essens stehen lassen?

Auch Alexander Bachmann gehört dazu. «In China ist es üblich, die Hälfte des Essens stehen zu lassen,» weiß der 22-Jährige von seinem sechsmonatigen Aufenthalt in Suzhon, westlich von Shanghai. Dass dies bei uns in Deutschland nicht Sitte ist, wissen die Gäste offenbar. Die Teller werden leer gegessen.

Es scheint, als hätten sich die Chinesen gut vorbereitet auf ihren Aufenthalt in Deutschland. «Es gab vorher schon einige Treffen,» lässt auch der Reiseleiter durchblicken, dass den Asiaten unliebsame Überraschungen wohl ein Greuel sind. Vielleicht legen sie deshalb auch Wert auf ansprechende Kleidung: Die Jugendlichen tragen alle Anzug, Hemd und Krawatte, die Mädchen Kostüme. «Ja, das ist meine Schuluniform,» sagt Yuan Mo mit Blick auf Seidenbluse, Weste und Rock.

Seit rund fünf Jahren gebe es eine große Reisefreiheit im bevölkerungsreichsten Land der Erde. Nur, leisten könne sich das nicht jeder. Auch Studieren sei nur einer kleinen Elite vorbehalten. Die Gebühren an den Universitäten seien immens. Deshalb sei Deutschland auch als Studienstandort begehrt, sagt der Reiseleiter und Übersetzer.

Mag sein, dass sich einige der sieben Jugendlichen um Yuan Mo ein Studium in Deutschland schon ausmalen. Am 30. Juli beenden die Chinesen ihre Europareise, die sie auch nach Österreich und Hamburg führt.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ