Kaufbeuren
Desolater Zustand

Dr. Christoph Greifenhagen ist gut zu Fuß. Der Arzt im Ruhestand ist nämlich Hobby-Geologe, Naturschützer und Biotoppfleger. Außerdem bietet er Fluss- und Pilzwanderungen an. Deshalb mutete sich Greifenhagen auch zu, seit 1999 das etwa 54 Quadratmeter große Einzugsgebiet der oberen östlichen Günz und deren rund 250 Grundwasseraustritte zu untersuchen. Die Ergebnisse hat er in der Broschüre «Quellen - bedrohter Lebensraum» zusammengefasst. Im östlichen Günztal arbeiten die Gemeinden Günzach, Obergünzburg, Ronsberg und Untrasried zusammen. Daraus gingen die Stiftung KulturLandschaft Günztal» und der «Biotop Verbund Östliche Günz» hervor, deren Projektleiter Peter Guggenberger-Waibel das Thema anstieß. «Da im Günztal naturgemäß die Gewässer eine herausragende Rolle spielen, galt es auch, Quellen zu untersuchen», erklärt Greifenhagen. Rund 10000 soll es in Bayern geben, so das Bayerische Landesamt für Umweltschutz (LfZ). Greifenhagen schritt 244 Objekte ab, fasste die Erkenntnisse zusammen und stellte sie in einen fachlichen Kontext. «Ziel war es, nach Möglichkeit sämtliche Quellen einer genau umschriebenen Region - dem Einzugsgebiet der oberen östlichen Günz - zu erfassen», berichtet Greifenhagen.

Heraus kam dieses Jahr eine 61-seitige Broschüre mit wissenschaftlichem Anspruch, dessen Text durch Fotos, Karten, Grafiken und Diagramme unterstützt wird. «Das Thema ist sehr komplex und vielfältig, deshalb auch so faszinierend, spannt sich doch der Bogen von Geografie, Heimatkunde, Kulturgeschichte bis hin zur Geologie», so der Verfasser.

«Quellen sind Anfang und Ende zugleich», erklärt der Träger der Umweltmedaille des Freistaates Bayern. Greifenhagen erläutert in dem Heft Mythologie und Etymologie des Begriffs. «Die Mystifizierung der Quellen spiegelt sich auch in Begriffen wie Quellgeister, Quellnymphen oder Quellgötter wider», schreibt auch das LfZ. Danach weist Greifenhagen die Abflusstypen Fließ-, Sicker- und Tümpelquellen in dem Untersuchungsgebiet aus. Diese unterscheidet er auch nach der Art ihres Austritts («geomorphologische Struktur des Untergrundes»).

Zudem hat Greifenhagen ebenso die Umgebung der Quellen, ihre Häufigkeit und Fließverhalten, die prägende Vegetation oder Mineralien der Umgebung oder des Wassers differenziert.

83 Prozent naturferne Quellen

Dabei spart der Umweltschützer auch nicht mit Kritik - an Grundstücksbesitzern, die ihre Quellen verbauten oder Bäche verrohrten, und an Behörden, die das zuließen oder sich wenig kooperativ zeigten. Von den 244 Quellen sind nämlich 75 Prozent baulich beeinträchtigt. Und insgesamt seien nur drei Prozent «intakte Grundwasseraustritte im Sinne einer Quelle», aber 83 Prozent «naturferne Quellen», bilanziert Greifenhagen.

Zwar sei der desolate Zustand der Quellen schon früher beschrieben worden, doch seine Untersuchung «lässt erst das wahre Ausmaß der Störung und Zerstörung dieser Lebensräume erkennen.»

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by Gogol Publishing 2002-2019