Allgäu
«Der Wolf käme auch im Allgäu gut zurecht»

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Vor wenigen Jahrhunderten waren Bär, Wolf und Luchs hier noch zu Hause. Und langsam kommen die großen Wildtiere wieder zurück nach Bayern: Ein Wolf ist aktuell in Oberbayern unterwegs, in Ostbayern hat sich sogar eine Luchspopulation gebildet. Die Wanderausstellung «Die großen Vier» (Eröffnung heute in Bad Hindelang) informiert über die Beutegreifer und den richtigen Umgang mit ihnen. Wir sprachen über Bär, Wolf und Luchs mit Henning Werth (LBV Gebietsbetreuung Allgäuer Hochalpen).

Weder Bär noch Luchs und Wolf leben derzeit im Allgäu. Warum dann eine Ausstellung über den Umgang mit ihnen?

Werth: Diese Tiere werden ja nicht aktiv angesiedelt, sondern sie kommen aus eigener Kraft. Nehmen Sie nur aktuell den Wolf im Mangfallgebirge. Und genausogut können im Allgäu jederzeit Wölfe durchziehen - vielleicht ist das auch schon geschehen und wir wissen es bloß nicht. Deswegen will die Ausstellung informieren, Verständnis wecken für die Tiere oder Verhaltensregeln nahe bringen für den Fall einer unverhofften Begegnung. Es geht jedoch nicht um eine ausschließlich positive Darstellung, sondern auch darum, Konfliktpotenziale aufzuzeigen.

Zum Beispiel?

Werth: Frei weidende Nutztiere wie Ziegen und Schafe sind ein gefundenes Fressen für Bären, Wölfe und Luchse. Viehhalter sind deshalb häufig nicht gut auf sie zu sprechen. Doch nicht nur Landwirte haben so ihre Probleme mit den großen Beutegreifern, sondern auch viele Jäger. Wölfe und Luchse machen ihnen ihre Jagdbeute streitig. Doch sollte im Allgäu das Konfliktpotenzial eigentlich geringer sein als in anderen bayerischen Gebieten. Eine freie Schafbeweidung gibt es hier zum Beispiel kaum.

Wäre das Allgäu denn überhaupt als Lebensraum für die Beutegreifer geeignet?

Werth: Der Luchs ist vor allem im Wald zuhause. Somit wären die Allgäuer Alpen mit einem Waldanteil von etwa 30 Prozent wohl nur in Teilen geeignet. Ähnliches gilt für den Bären, der als - vor allem - Pflanzenfresser wohl größere Gebiete brauchen würde. Doch sind die Tiere erstaunlich anpassungsfähig. Besonders der Wolf. Er käme meiner Einschätzung nach auch im Allgäu gut zurecht. Die Wandermöglichkeiten wären für alle drei Arten besser als in anderen bayerischen Regionen, wo Autobahnen stark den Lebensraum durchschneiden.

Sind Luchs, Wolf oder Bär denn schon einmal in der Region gesehen worden?

Werth: Es gibt immer wieder einmal Hinweise für ein Auftauchen. Zum Beispiel im Mai für einen Luchs bei Pfronten im Ostallgäu. Aber nach den harten Nachweiskriterien gibt es für das Allgäu noch keinen belegten Nachweis. Experten müssten eine Beobachtung bestätigen, etwa durch einen genetischen Nachweis. Umso wichtiger wäre es bei einem Verdacht, dass möglichst schnell Experten zum Beispiel ein gerissenes Tier auf Spuren untersuchen könnten - auch das soll die Ausstellung vermitteln. Immerhin ist nicht weit von hier, im Lechtal, Bär Bruno durchgezogen. Und im Stubaital hat ein Bär im vergangenen Jahr überwintert.

Bär, Wolf und Luchs - das sind drei. Die Wanderausstellung heißt aber «Die großen Vier». Warum das?

Werth: Wir Menschen sind der Vierte im Bunde. Wir müssen uns auf den Umgang mit den großen Beutegreifern vorbereiten. Und auch wenn dies nicht immer leicht sein wird, durch Wissen, Information und richtiges Verhalten lässt sich ein Miteinander konstruktiv gestalten. Der Mensch ist der Partner ohne den es nicht funktionieren kann.

Die Ausstellung wird heute Abend im Kurhaus von Bad Hindelang eröffnet (Beginn 20 Uhr). Sie ist vom 17. September bis zum 15. Oktober täglich von 9-18 Uhr im Kurhaus zu sehen.

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