Die Blütezeit der Städte
Der Weg in die Neuzeit

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Gleich vorweg: Den einen Schritt in die Neuzeit gibt es im Allgäu nicht. Vielmehr ändert sich das Leben für die Menschen in der Region langsam. Heute dient gerne die (Neu-) Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus 1492 als Beginn der neuen Epoche.

Doch Dr. Stefan Fischer vom Kaufbeurer Stadtarchiv bringt es mit einem Augenzwinkern auf den Punkt: Die Menschen sind nicht am nächsten Tag aufgewacht und haben gesagt: Jetzt leben wir endlich in der Neuzeit. Zwar verbreitet sich die Kunde dieser Entdeckung auch im Allgäu. Aber die Menschen können sich damals nicht vorstellen, was da vor sich geht, sagt Fischer.

Doch ändert sich dann einiges. Die Wirtschaftswege verschieben sich, sagt der Memminger Archivar Christoph Engelhard. Spanien und die Niederlande gewinnen im nun globalen Spiel deutlich an Bedeutung. Damit verlagern sich Teile des Warenverkehrs auf das Meer. Der Handel über das Allgäu läuft zwar weiter, doch wächst die Region wirtschaftlich nicht mehr so stark wie zuvor.

Zur eigentlichen Zäsur führen aber die 95 Thesen, die der Augustinermönch Martin Luther 1517 drucken lässt. Darin geht er unter anderem gegen den Ablasshandel vor. Er will nicht akzeptieren, dass Menschen sich ohne Reue aber mit Geld bei der katholischen Kirche von ihren Sünden freikaufen können.

Luthers umfangreiche Kritik besagt - grob zusammengefasst - dass der Klerus sich weit von seiner eigenen Lehre entfernt hat. Zudem übersetzt der Reformator die Bibel ins Deutsche und ermöglicht den Menschen damit, die Aussagen der Kirchenoberen zu überprüfen. Das alles löst einen Sturm aus.

Der Glaubensaufbruch im ganzen Reich verändert auch das Allgäu: Memmingen wird evangelisch und muss sich künftig gegen das katholische Umland verteidigen. Zudem liefern die Aussagen der Reformation auch den Bauern Argumente für ihren Aufstand. In Memmingen schreiben sie erstmals in Europa Menschenrechte nieder, womit sich der nächste Teil dieser Serie befassen wird. Spannungen mit dem Adel

Auch Lindau schlägt sich auf die Seite der Reformation. Spannungen mit dem umliegenden Adel laden sich nun konfessionell auf. Ein katholisches Damenstift wird zum Stachel im Fleisch: Es liegt im Stadtgebiet, ist innerhalb des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation jedoch gleichrangig.

In Kempten emanzipiert sich die aufstrebende Reichsstadt mit dem Großen Kauf herrschaftlicher Rechte endgültig vom Fürststift. Sie geht nun den evangelischen Weg, was später zu einer blutigen Feindschaft ausarten und im Dreißigjährigen Krieg große Teile der Bevölkerung das Leben kosten wird.

In Kaufbeuren gewinnt weder die alte noch die neue Lehre eindeutig die Oberhand. Die Reformation entzweit die Stadt, sagt Historiker Fischer. Eine Stadt, in der sich die Bürger nun bis aufs Blut bekämpfen, kann nicht weiter blühen. Der Weg in die Neuzeit gestaltet sich im Allgäu blutig.

Autor:

Frank Eberhard aus Kempten

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