Lindau / Lindenberg
Der Trompeter hat immer das letzte Wort

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Der Duft von Sonnencreme, braungebrannte Badende und lachende Kinderstimmen - ein sonnenverwöhnter Sommertag im Eichwaldbad in Lindau. Vor dem Panorama des Bodensees ist eine kleine Bühne mit weißem Zeltdach aufgebaut. Das Filmteam der Jugendsendung «Südwild» des Bayerischen Rundfunks beginnt emsig mit den Vorbereitungen. Die Live-Übertragung beginnt. Kaum ist es losgegangen, kündigt Moderatorin Nadia Kailouli die Band der Sendung an: «Jump The Shark - fetten Applaus!»

Punkige Ska-Klänge schallen über das Grün des Freibades. Schlagzeug und Bläser übernehmen die akkustische Vormacht auf den Liegewiesen. Die sechs Musiker der Lindenberger Band Jump The Shark um Sänger und Gitarrist Andreas Wagner (25) spielen auf - und zwar live im Fernsehen.

Es ist ohnehin extrem heiß, trotzdem heizen die Westallgäuer der Menschentraube vor der Bühne noch zusätzlich kräftig ein. Inmitten von Sonnenschirmen und Badematten tanzt manch Freibadbesucher zu den rhythmischen Klängen. Hinter der Bühne glänzen Sonnenstrahlen auf dem See, die Silhouette der Lindauer Insel und das Bergpanorama machen das Bild komplett.

«Der Standort hier ist der schönste, den wir bisher hatten», schwärmt Elisabeth Harreß. Die 30-Jährige ist die Chefin des Südwild-Teams. Mit einem großen schwarzen Doppeldeckerbus tourt die 13-köpfige Truppe durch ganz Bayern. Diese Woche ist Lindau Ort der Live-Übertragungen. Über das Internetportal MySpace wurde das Team auf die Westallgäuer Band aufmerksam. «Der sommerliche Sound, der gute Laune verbreitet, hat überzeugt», erzählt Harreß.

Im Interview vor laufender Kamera entlocken Moderatorin Nadia Kailouli und ihr Partner Sebastian Winkler dem Bassisten Johannes Pfister, dass er einst im rosa, eng anliegendem Shirt auf der Bühne stand. Grund war ein verlorenes Tischkickerturnier. Auch von den anderen Bandmitgliedern bringen die Moderatoren manch Eigenheit an die Öffentlichkeit.

«Wir sind dankbar, wenn eine Band was zu erzählen hat», meint Sebastian Winkler. «Wenn zum Beispiel ein Musiker zugibt, immer das letzte Wort zu haben.» Die Sprache ist vom Trompeter Michael Otto.

«Der Auftritt war cool», freut sich Schlagzeuger Samuel Trefzer. Seine Bandkollegin Katrin Wipper stimmt ihm zu: «Wir haben mehr CDs verkauft als erwartet.» Lediglich mit der Organisation im Vorfeld war die Band unzufrieden. Noch ein Tag vor dem Auftritt gingen die sechs Musiker davon aus, dass sie an einem anderen Ort spielen würden. «Bei einem Konzert am Sonntag haben wir Werbung für den Hafen gemacht», erzählt Saxophonistin Katrin enttäuscht. «Deswegen ist das Publikum nicht so groß und nicht unsere eigentliche Zielgruppe.

» Das Ortsmissverständnis konnte den eingefleischten Fan Andi Vogler von dem Auftritt jedoch nicht abhalten. Der 23-Jährige ist extra aus der Schweiz angereist und «so lange in Lindau umhergeirrt, bis wir die Band endlich gefunden haben.»

Jump The Shark haben durch ihren Auftritt im Eichwaldbad bestimmt neue Fans gewonnen - und vielleicht auch eine neue Zielgruppe. In den Pausen zwischen den drei Stücken, die sie für die Sendung spielen, kommen immer wieder Kinder und wollen Autogramme, Aufkleber oder Buttons von der Band. «Kannst du mir ein Autogramm auf den Arm schreiben?», bittet sogar ein kleines Mädchen in rosa-weiß-blau gestreiften Badeanzug den 20-jährigen Michael.

Die Band ist mit ihrem Auftritt sehr zufrieden. «Die Leute vom Fernsehteam sind alle total nett», so Johannes. «Das Publikum hatte Spaß, also hatten auch wir Spaß.» Erschöpft und erleichtert erzählen die Musiker von ihren Zukunftsvorhaben: Mit sechs neuen Liedern im Gepäck will die Band bald ihre zweite CD aufnehmen. Von dem Fernsehauftritt erhofft sie sich gute Aufnahmen, die sie für ihre Homepage verwenden kann. Außerdem kann sich manch Familienmitglied, das ungern in dunkle Clubs geht, ein Bild von der Musik ihrer Sprösslinge machen. «Meine Oma schaut sich die Sendung an», erzählt Samuel.

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