Kaufbeuren
Der Trend geht zum pflegeleichten Grab

Die Vorstellungen von der letzten Ruhe gehen oft weit auseinander, und sie sind einem steten Wandel unterworfen. Davon berichten nicht nur Bestattungsunternehmen. Jetzt möchte sich auch die Stadt Kaufbeuren mit diesem Thema befassen. Im kommenden Jahr wollen die Stadträte Konzepte diskutieren, in denen es um neue Angebote und die Friedhofsplanung gehen soll.

Von einer sich stark verändernden Bestattungskultur sprach der Leiter des Standesamtes, Mathias Müller, in der jüngsten Verwaltungsausschusssitzung. Diese Einschätzung wird untermauert von den Zahlen der städtischen Verwaltung, die für sechs Friedhöfe zuständig ist. 499 Beerdigungen gab es dort im vergangenen Jahr; 192 Erd- und 307 Urnenbestattungen. 62 Prozent der Toten würden demnach eingeäschert. Im Jahr 2007 waren es noch 55 Prozent, 2004 belief sich die Zahl auf lediglich etwa 45 Prozent.

Ähnliche Entwicklung

Eine ähnliche Entwicklung in der Bestattungskultur ist weltweit zu beobachten und geht mit gesellschaftlichen Veränderungen einher. Oft wohnen die Kinder nicht mehr dort, wo die Eltern begraben sind. Mentalitätsfragen spielen eine Rolle, und auch die Kosten.

Immer weniger Menschen wollen ihren Hinterbliebenen die aufwendige Grabpflege aufbürden. Das Geld sei jedoch weniger häufig entscheidend als man glaubt, meint der städtische Rechtsabteilungsleiter Thomas Zeh. Kaufbeuren bewege sich mit den Gebühren im Mittelfeld.

Zahlt man für ein sogenanntes Einzelgrab 48 Euro pro Jahr, so fallen für ein ganzes Urnenfamiliengrab 41 Euro an. Für anonyme Plätze erhebt die Stadt pro Urne eine einmalige Gebühr von 80 Euro. Von den 307 Urnenbestattungen im vergangenen Jahr entfielen 80 auf diese Form der letzten Ruhe. Tendenz auch hier steigend.

Doch auch neue Bestattungsformen werden gewünscht. Von vermehrten Anfragen nach naturnahen Baumbestattungen berichtete Müller ebenfalls in der Sitzung. Eine Möglichkeit, die es in Kaufbeuren noch nicht gibt. Die Idee basiert darauf, die Asche des Verstorbenen im Wurzelbereich eines Baumes beizusetzen. «Der wunderschöne Baumbestand auf dem Waldfriedhof lädt geradezu dazu ein», so Müller.

Einigkeit über ein geplantes neues Friedhofskonzept gab es im Ausschuss. «Der Trend geht zum pflegeleichten Grab und zur Urnenbestattung», so CSU-Ausschussmitglied Ernst Schönhaar. Hier müssten künftige Entwürfe ansetzen. Auch Ernst Holy (KI) sah den Bedarf an «praktischen Gräbern». Catrin Riedl-Schmied (SPD) regte an, am Waldfriedhof generell auch über ein «würdevolleres» Ambiente nachzudenken. Oberbürgermeister Stefan Bosse riet zudem, den demografischen Wandel in ein künftiges Friedhofskonzept mit einzubeziehen.

«Wir halten zu viel Fläche für die kommende Friedhofskultur vor», sagte er mit Blick auf die hohen Unterhaltskosten.

Im Vorgriff auf eine völlig neue Friedhofsgebührensatzung empfahl der Ausschuss dem Stadtrat bereits jetzt einige Änderungen: Die Verwaltungsgebühr bei Erd- und Urnenbestattungen soll moderat und kostendeckend angehoben werden. Für den sogenannten Grabbrief, in dem Nutzungsberechtigte und die Grabdaten vermerkt sind, entfallen künftig die Gebühren.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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