Nesselwang / Pfronten
Der Stall von Betlehem hat es Alt und Jung angetan

Vorsichtig stellt der neunjährige Florian seine drei Könige in die Krippe. Stolz schildert er die aufwendige Arbeit, die in seinem Prachtstück steckt. Im Sommer war er jeden zweiten Freitagnachmittag in der Werkstatt der Krippenfreunde Nesselwang - über die Herbstferien gar jeden Tag. Denn es ist ein langer Weg von der Sperrholzplatte bis zum Stall, der jetzt bei der Ausstellung im Pfarrheim zu sehen ist.

Unter Anleitung konnten Miriam, Lisa- Marie, Christina, Niklas und Florian aus Dämmplatten die Wände zuschneiden, das Holzgerüst für den Stall sägen und die Schindeln fürs Dach spalten und aufkleben. Mit dem Schwamm wurden später die Pigmentfarben auf die großen Flächen aufgetragen und diese dekorativ gestaltet. Auch die Schindeln erhalten einen dreifachen Anstrich, damit sie schön alt aussehen - «wie draußen in der Natur».

Also haben die Kinder aus Mörtel kleine Steine geformt und in die Landschaft als Mauer oder Treppen integriert. «Es war gut, dass bei den Kursen zum Teil die Mütter dabei waren, so konnten die Kinder schneller ein Ergebnis sehen», so Hermann Ambros, Vorsitzender des Krippenvereins. «Denn länger als zwei Stunden reiche die Geduld der Kinder nicht. Es muss immer Abwechslung bei der Arbeit geben», so der erfahrene Krippenbauer.

Florian hatte Geduld. Das Heu unterm Dach wird er erst zuhause anbringen, wenn seine Krippe den richtigen Platz gefunden hat. Jetzt packt er vorsichtig seine Figuren ein, die er selbst schön bemalt hat.

Für seinen Enkel Maximilian (3 Jahre) hat Ernst Weidner aus Pfronten, der auch Mitglied im Krippenverein Nesselwang ist, einen großen Stall gebaut. «Ja, der Maximilian darf auch mit der Krippe spielen. Er legt die Figuren abends immer schlafen und stellt sie am Morgen wieder schön auf». Alle verwendeten Materialien kommen aus der Natur. Der alpenländische Stil gefällt Weidner besonders. 60 Stunden hat er an der Krippe gebaut, hat Schritt für Schritt die einzelnen Ebenen gestaltet, bevor das Dach obenauf kam. Jedes Jahr will er seinem Enkel eine weitere Figur zur Krippe schenken. «Wir fangen bei der Schafherde an, die muss noch wachsen», so der stolze Opa.

«Kunstwerke im Kasten» und «Loammandl-Krippen» zählen zur Spezialität von Monica Meyer-Nusser. «Bethlehem ist überall», sagt eine Volksweisheit - auch in der kleinsten Spanschachtel. Monica Meyer-Nusser zeigt auf einen unauffälligen Schlüsselkasten und öffnet dessen Tür. Überrascht ist der Betrachter von der bunten Vielfalt der Figuren, gefertigt aus einer Porzellinmasse, die im Ofen gebrannt wird. «Bachene» nennt man diese Figuren im Schwäbischen. Die Figuren von ein bis acht Zentimeter Größe werden von der Künstlerin nach historischen Vorlagen bemalt. Bis zu 70 Figuren gestalten diese Krippenlandschaft.

«Am schönsten wird die Landschaft aus gekleistertem Zeitungspapier oder Pappmaché», so die Krippengestalterin, die auch Kurse gibt. Danach wird die Landschaft bemalt und erhält mit Streu aus dem Eisenbahnzubehör Konturen.

Viele Figuren der Krippe wurden aus dem Alltag der damaligen Bevölkerung nachgebildet. So gibt es den «Jubikarl», der seine Arme weit ausstreckt, die Apfelfrau, den Andreas Hofer oder den Sterndeuter. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts fertigten Nagelschmiede im Spätherbst solche Halbrelief-Figürchen (Loammandl - Lehmmännchen), um sie dann im Winter auf den Märkten zu verkaufen. Die Kastenkrippe der Künstlerin ist übrigens im Hotel «Post» in Nesselwang zu besichtigen. Doch es geht auch viel kleiner: «Die kann man in der Handtasche mitnehmen», zeigt die Künstlerin ihr Liliput-Werk - eine winzige Flügelkrippe.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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