Buchloe
«Der Schutz des Bürgers hat Vorrang»

Noch gar nicht so lange ist die Elektrifizierung der Bahnstrecke München Lindau beschlossene Sache, da sorgt sie schon für ersten Ärger. Vielerorts entlang der Linie zeigen sich Bürger über die möglichen Auswirkungen auf die Lärmemissionen besorgt. In Buxheim (Unterallgäu) sorgte im Sommer ein Schreiben der Bahn für Zündstoff. Darin geht es unter anderem um das Verkehrsaufkommen im Jahr 2015, wenn die Elektrifizierung abgeschlossen sein soll. In dem Brief ist von täglich 54 Personen- und neun Güterzügen die Rede. Zum Vergleich: Derzeit sind auf der Strecke 25 Personen- und zwei Güterzüge unterwegs.

«Nur schwer vorstellbar»

Ähnlich wie sein Memminger Kollege kann sich auch Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger diese Zahlen «nur schwer vorstellen». Zwar stehe die Stadt in ständigem Kontakt mit der Deutschen Bahn, konkrete Daten habe er jedoch noch nicht vorliegen. Dennoch meint er: «Eine Verdoppelung des Zugverkehrs halte ich auf dieser Strecke für nicht machbar.»

Die Verbindung von München nach Lindau ist derzeit hauptsächlich für den Fernverkehr Richtung Zürich und weiter nach Italien wichtig. Die Schweiz, für die die Strecke ein wichtiger Bestandteil der Anbindung an das europäische Eisenbahn-Hochleistungsnetz ist, wie ihr Direktor des Bundesamtes für Verkehr betont, drängte daher seit Langem auf eine Modernisierung. Nach jahrelangem Tauziehen wurde heuer ein Vertrag unterzeichnet, der eine Elektrifizierung der Strecke vorsieht.

Als Fertigstellungstermin wurde das Jahr 2015 festgehalten.

Grundsätzlich bewertet auch Schweinberger die Elektrifizierung durchwegs positiv: «Wenn man den Transport von der Straße bekommen will - was ja wesentlich umweltfreundlicher und daher auch allgemein angestrebt ist -, dann bleibt kein anderer Weg.» Jedes Stück Fracht, das von der Straße auf die Schiene komme, sei ihm lieb und recht. Neben einem Profit für den Nahverkehr gehe er zudem davon aus, dass das Planfeststellungsverfahren der Bahn endlich Bewegung in die Erneuerung der Unterführung in der Augsburger Straße bringe.

Das Thema Lärmschutz nimmt Schweinberger dennoch ernst, wenngleich er es nicht ganz so kritisch sieht: «Auch wenn der Zugverkehr zunimmt: Elektroloks sind nicht so laut wie Dieselloks.» Wie genau die Lärmemissionen im Jahr 2015 jedoch aussehen werden und inwieweit Schutzmaßnahmen getroffen werden müssen, sei derzeit noch unklar. Dies bestätigte auch ein Sprecher der Bahn gegenüber unserer Zeitung. Die Planungen, so hieß es von dort, würden zeigen, ob eine Notwendigkeit besteht. Schweinberger kündigte an, in diesem Fall selbst auch Messungen durchführen zu wollen. «Der Schutz des Bürgers hat absoluten Vorrang.» Sollten diese einen Handlungsbedarf aufzeigen, wären die durchzuführenden Schutzmaßnahmen jedoch wieder Sache der Bahn.

Tempolimit für Züge

Um die Fronten zeitnah zu klären, fordert Stadtrat Rudolf Grieb (UBI) daher ein zügiges Vorgehen, in dem man den Austausch mit der Bahn suchen soll.

«Der Lärmschutz ist eine wichtige Sache - an der Bahnlinie ähnlich wie bei der Autobahn.» Sein Vorschlag: Eine Geschwindigkeitsbegrenzung für durchfahrende Züge innerhalb des Stadtgebiets. «Das wäre mit Sicherheit die kostengünstigste Form des Lärmschutzes.»

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