Kaufbeuren
Der Qualm hat sich noch nicht verzogen

Vor einigen Wochen gab es noch Kneipen, in denen ab Mitternacht geraucht wurde. Das sagt Ralf Schwarz. Dass es solche Lokale noch immer gibt, bezweifelt der junge Mann. Er sitzt mit seinen Freunden vor der Kaufbeurer Bar «Cheers». Drinnen läuft das Fußballspiel Hoffenheim gegen Schalke. Die Schwaben liegen vorne. Doch davon bekommen Schwarz und seine Freunde nur wenig mit: Sie und ihre Glimmstängel müssen draußen bleiben.

Seit August gilt in Bayerns Lokalen ein striktes Rauchergesetz, das dem Ideenreichtum mancher Kneipiers ein Ende setzt. Raucherclubs gehören der Vergangenheit an. Von nun an heißt es ausnahmslos: In den Wirtshäusern des Freistaats wird nicht mehr geraucht. Doch gibt es nicht irgendwo noch eine Schenke, in der nach wie vor Tabakqualm aufsteigt?

Freitagabend, kurz vor zehn, in der Altstadt: Vor der Dönerbude steht ein Grüppchen junger Männer. «Bei uns Russen wird während des Essens nicht geraucht», sagt einer. Er findet es richtig, dass Raucher ihrer Sucht im Speiselokal nicht mehr nachgeben dürfen. Sein Kumpel sagt: «Wenn die Leute zum Rauchen raus müssen, gibt es mehr Schlägereien.» Eine Raucherkneipe in der Nähe fällt den beiden nicht ein. Vielleicht wollen sie ihren Geheimtipp aber auch nicht verraten.

Über eine Treppe geht es hinauf zum «El Greco». Im Inneren der Bar ist die Luft so klar wie in einer Schulkantine. An der Wand hängt das Bild einer großformatigen Zigarette. Ihr Rauch formt das Wort «No». «Wenn es voll wird, ist für die Arbeitenden nicht der Zigarettenrauch das Schlimme, sondern der Schweiß», erzählt Discjockey Peter Hochwind. Für ihn war es angenehmer, als noch geraucht wurde. Gerne würde er das strikte Verbot wieder rückgängig machen.

Natascha Vogel sieht es ähnlich: «Bei der nächsten Volksabstimmung würde ich sofort hingehen», sagt die Bedienung des «Arena Valley». Sie macht gerade ihre Zigarettenpause.

Vor allem der bevorstehende Winter bereitet ihr Sorgen: Die Gäste würden sich beschweren, wenn sie - nur um sich mal eine anzustecken - bei Regen und Schnee auf die Straße müssten.

Einige Häuserecken weiter in der Bar «Pic»: Nicht mehr als zehn Gäste sitzen an der Theke. Die Wirtin Monika Josovic lehnt draußen im Eingangsbereich, eine Zigarette zwischen den Fingern. «Ich habe schon viele Leute verloren», sagt sie. Ihrer Kundschaft wolle nicht auf die Zigarette zum Bier verzichten. Wie sie sind die meisten Wirte unzufrieden mit den neuen Regelungen. Viel mehr als die Hoffnung, dass die Gäste sich allmählich an das strikte Verbot gewöhnen, bleibt den Wirten nicht.

Rauswerfen oder dulden?

Oder doch? Kurz vor Mitternacht in einem Wirtshaus im Herzen der Altstadt. In voller Lautstärke läuft der Schlagersong «Du gehörst zu mir». Am Tresen sitzen Männer, trinken Obstler, Bier und Whiskey-Cola. Und sie rauchen. «Heute ist es das erste Mal, dass so intensiv gequalmt wird», sagt ein Gast. Hinter ihm versucht sich die Bedienung mit einem vollbeladenen Tablett den Weg zu den Tischen zu bahnen. Sie steht heute Abend alleine hinter der Theke. Eigentlich, sagt sie, müsste sie alle hinauswerfen. «Aber ich bin nur die Bedienung», fügt sie mit einem Lächeln hinzu. Es scheint sie also noch zu geben: die Kneipen, in denen nach Lust und Laune der Rauchsucht gefrönt wird. Doch wie lange sie das durchhalten können, steht in den Sternen.

Bei Sabine Veitl, der Wirtin vom «Cheers», hat nun allerdings ein Mitglied des Bündnisses für Freiheit und Toleranz vorbeigeschaut und einen Unterschriftenzettel dagelassen. Die bayerische Rauchfront macht also wieder mobil. Sie will das bestehende Gesetz abschaffen und durch ein liberaleres ersetzen.

Vielleicht muss auch Ralf Schwarz seine Zigarette dann bald doch nicht mehr vor der Tür des «Cheers» anzünden - sondern darf wieder rein, an die Theke, wo es warm und gemütlich ist.

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