Niedersonthofen
Der melodische Gesang vom einfachen Leben

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Wenn Peter Nessler im Stall zu jodeln beginnt, bleiben seine Kühe gelassen: «Die kennen mi.» Gern erhebt der 60-jährige Bergbauer seine Stimme auch «auf den schönsten Plätzen der Hochweide». Und natürlich in der Jodlergruppe Niedersonthofen. Dort singt er bereits seit 45 Jahren, seit vier Jahrzehnten ist er der Vorsitzende und erste Solist. Derzeit probt Nessler eifrig mit seinen 13 Kameraden für den nächsten großen Auftritt: Am 27. Juni feiert die Gruppe mit einem musikalischen Jubiläumsabend ihren 50. Geburtstag.

Damals, im Jahre 1959, begaben sich die beiden Vorsitzenden des Fremdenverkehrsvereins, Heinrich Schmid und Heinrich Freydal, regelrecht auf «Stimmenfang». Sie wollten eine örtliche Jodlergruppe gründen. Etliche junge Männer meldeten sich zum Vorsingen. Das Ergebnis war laut Vereinschronik beeindruckend: «Es wurden teilweise Töne herausgesungen, die in der ganzen Notenlehre bis zu diesem Zeitpunkt unentdeckt waren.» Sieben wackere Burschen wurden schließlich als «Urjodler» auserkoren. Zwei von ihnen, Edi Zeh und Konrad Schöll, sind noch heute dabei.

Inzwischen hat sich die Jodlergruppe einen Ruf erworben, der sogar über den Atlantik hallt: 1994 gastierten die stimmgewaltigen Niedersonthofer in der Carnegie Hall in New York. Dennoch sind die Männer bodenständig geblieben. «Nach unserem Selbstverständnis sehen wir unser Wirken hauptsächlich im eigenen Dorf», sagt Alois Schöll, musikalischer Leiter der Formation. Gesungen wird an Volksmusikabenden, am 1. Mai ebenso wie im Advent, bei Hochzeiten, Beerdigungen und an Geburtstagen. Vor kurzem, erzählt Vorjodler Peter Nessler, habe man eine alleinstehende Mitbürgerin zum 90. Geburtstag mit einem Ständchen überrascht: «Sie war zu Tränen gerührt.»

Etwa 40 Lieder haben die Sänger in ihrem Repertoire. Viele Stücke stammen von den regionalen Komponisten Karl Hafner aus Bad Hin-delang und Wilhelm Fritz aus dem Kleinwalsertal. Aber auch Werke eidgenössischer Autoren werden gern interpretiert: «Wir sind Alemannen, da blicken wir in die Schweiz», erläutert Nessler. «Das liegt uns mehr als das Oberbayerische.» Die Themen kreisen um das einfache (bäuerliche) Leben. Standen früher eher Alpen, Bergblumen und das Hirtenleben im Mittelpunkt, singt der A-cappella-Chor heute auch von allgemeinen Erlebnissen wie dem Erwachsenwerden oder dem Vergehen der Zeit.

Zimmermeister und Akkordeonspieler Alois Schöll (39), wegen seiner profunden Kenntnisse in Takt und Rhythmus vor zwei Jahren zum musikalischen Chef gewählt, legt großen Wert auf ein harmonisches Klangbild und eine erkennbare Dynamik. Er übt auch schon mal mit jeder Stimme einzeln, um Unebenheiten auszubügeln und einen diffe-renzierten Ausdruck zu erreichen. Die Harmonie des Gesangs korres-pondiert mit der Harmonie der Gemeinschaft. Das ist ebenso wichtig für Schöll, der vor rund 18 Jahren zum Mitjodeln eingeladen wurde. Schöll: «Trotz aller Kritik bei den Proben darf die Motivation der Gruppe nicht verloren gehen. Etwas Heikleres bespreche ich dann lieber unter vier Augen.»

Die Freundschaft unter den Jodlern ist neben dem gemeinsamen Singen auch die Antriebsfeder für Max-Dieter Kuhn (52), der Jodelgruppe seit 35 Jahren die Treue zu halten. «Der melodische Gesang tut einfach gut», meint der Baustoffkaufmann, nebenbei noch Flügelhornist in der örtlichen Musikkapelle. Und Oberjodler Peter Nessler, der mit seiner hellen Tenorstimme gern auch mal seine vierbeinigen Milchlieferanten beglückt, ergänzt: «Das streichelt unser Gemüt.»

Der Jubiläumsabend zum 50. Geburtstag der Jodlergruppe Niedersonthofen und zum 25-jährigen Bestehen der Jungen Jodler Niedersonthofen findet am Samstag, 27. Juni, 20 Uhr im Gasthof «Krone» in Niedersonthofen statt. Mitwirkende sind neben den Jodlern die Niedersonthofner Singfehla sowie Reinhold und Michael. Es wird auch die erste CD der Jodlergruppe Niedersonthofen vorgestellt.

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