Marktoberdorf
Der Martinimarkt wird 550 Jahre alt

Marktoberdorf - der Name ist Programm. Und das seit 550 Jahren. Dem Dorf an der Wertach wurde 1459 vom Augsburger Bischof Peter die Marktordnung gegeben. Das Marktrecht, das bereits sechs Jahre zuvor ausgesprochen wurde, war dem Dorf von Kaiser Friedrich III. verliehen worden. In der Marktordnung ist festgelegt, dass neben dem Wochenmarkt auch zwei Jahrmärkte, der eine am Urbanstag (25. Mai), der andere am Martinstag (11. November), stattfinden sollen. «Es war ein lebhaftes Bild, das diese Märkte boten, ein Spiegel des kulturellen Lebens der damaligen Zeit», schreibt der Stadtchronist Martin Dömling in seinem Marktoberdorf-Buch von 1953. Auch wenn insbesondere der Wochenmarkt unter Anlaufschwierigkeiten zu leiden hatte.

Pflichten, die nicht zu erfüllen waren

Neben Rechten entstanden dem Ort damit auch Pflichten, die in der Marktordnung festgeschrieben sind. Torhäuser und Wälle zur Wehr sollten entstehen und unterhalten werden. Der Wall hatte eine Länge von 1200 Metern, westlich und östlich vom Schlossberg ausgehend. Heute sind diese Wälle nur noch an der Südseite «am Graben» auf eine größere Länge erhalten, Teilstücke am südlichen und westlichen Schlossberghang.

Von den vier Torhäusern, deren Errichtung dem neuen Markt auferlegt wurden, waren nur das oberere Tor an der Ausfahrt Richtung Seeg und das untere Tor Richtung Kaufbeuren gebaut worden. (Sie standen bis Anfang des 19. Jahrhunderts.)

Von den wenigen Marktgebühren konnten die Oberdorfer die durch die Marktordnung übernommenen Pflichten nicht erfüllen. Denn durch die Jahrzehnte hindurch - immer wurden wieder neue Anläufe genommen - war den Wochenmärkten kein großer Erfolg beschieden. Anders war das Los der Jahrmärkte. Sie konnten sich von Anfang an durchsetzen und werden bis heute zu den festgesetzten Zeiten abgehalten.

Spärliche Möglichkeiten der Versorgung

Märkte boten der Bevölkerung lange fast die einzige Möglichkeit, ihren Bedarf an Waren zu decken, ebenso den vielen Handwerkern, ihre während des Jahres gefertigten Erzeugnisse an den Mann zu bringen. Mit dem Krämermarkt war stets ein großer Viehmarkt verbunden. Akribisch genau war in der Marktordnung festgelegt, wie viele Abgaben die Händler für die verkauften Waren wie Korn, Wein oder Gewand zu zahlen hatten.

Auch die Strafen, etwa für Messerstecherei oder Raufereien, waren in dieser Ordnung festgelegt.

Der lebhafte Handel veranlasste Oberdorf schon frühzeitig, eigene Lagerhäuser zu bauen, in denen sowohl Handwerker wie Fieranten ihre Waren unterbringen konnten. So entstand laut Chronist Dömling ein Tuchhaus, ein Schuhhaus, ein Tanzhaus für die Weißgerber. Und unter dem Rathaus waren die Schuhmacher und Kürschner zu finden.

Mit der Erhebung zum Markt war die Verleihung von Stock und Galgen verbunden. Allerdings nur formell - denn die Gerichtsbarkeit blieb bei den Marktherren, hier dem Bischof von Augsburg als Landesherr.

Die Bischöfe von Augsburg gaben ihren Märkten keine gehobene Verfassung, wie sie die Städte meist besaßen: Es gab weder Bürgermeister noch Räte, sondern aus dem bisherigen Dorfgericht wurde ein Marktgericht gebildet, an dessen Spitze der Marktrichter stand.

Die Verfassung bestand laut Dömling bis zum Übergang an Bayern und wurde dann 1808 durch eine bayerische Gemeindeordnung abgelöst. Der Marktrichter führte bis dahin noch diese Bezeichnung, in Oberdorf sogar bis zum Tod des letzten Fürstbischofs, Clemens Wenzeslaus, 1812. Danach tritt die Bezeichnung Bürgermeister auf.

Beim Martinimarkt am 8. November erinnert die Stadt Marktoberdorf an das Jubiläum mit einer szenischen Darstellung der historischen Urkunden-Übergabe. Außerdem sollen die Besucher an diesem Tag für mehrere Stunden ein Marktangebot wie vor 550 Jahren vorfinden. An historischer Stelle, versteht sich. Denn das Marktgeschehen spielt sich bis heute in Marktoberdorf noch immer auf und um den Marktplatz ab. Eine detailliertere Planung, so Rupert Filser von der Stadtverwaltung, werde derzeit erarbeitet.

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