Aitrang
Der Laut-Sprecher des DGB

In der modernen politischen Landschaft wirkt er wie ein Granitbrocken in einem Bachbett voller rundgeschliffener Kieselsteine. Und wer den Bayerischen DGB-Chef einmal «live» erlebt hat, der versteht, warum viele Gewerkschaftler Angst vor der Zeit nach Fritz Schösser haben. 2010 wird der «Grantler» den Vorsitz der Dachorganisation abgeben - doch ein Nachfolger mit vergleichbarem Charisma und Durchschlagskraft ist nicht in Sicht. Beim erstmals organisierten «Sommertreff» der Allgäuer DGB-Gewerkschaften am Elbsee bei Aitrang (Ostallgäu) zeigte sich Schösser leidenschaftlich und kampfbereit wie eh und je - aber auch ein bisschen nachdenklich.

Das Motto der Veranstaltung ließ dem sturmerprobten Ex-Politiker und Langzeit-Gewerkschaftler auch keine andere Wahl: Die gut 80 Gäste des Sommertreffs sollten schließlich Antworten auf das bekommen, was sie «schon immer von Fritz Schösser wissen wollten». Etwa, warum er aufhören will, wen man im Herbst für den Bundestag wählen soll, oder warum der Einfluss der Gewerkschaften auf die Politik stetig abnimmt, obwohl es den Arbeitnehmern doch immer schlechter geht.

Im Gegensatz zum Moderator des Abends, dem DGB-Vorsitzenden der Region Allgäu-Donau-Iller, Werner Gloning, braucht Schösser für seine Antworten kein Mikrophon. Auch ohne Elektronik ist der 62-Jährige Laut-Sprecher der weißblauen Gewerkschaften bis in den letzten Winkel zu hören. Und zu sehen: Je länger er redet und poltert, desto öfter reckt er die geballten Fäuste beschwörend in den Himmel.

An der Gesundheit kanns also nicht liegen, dass er nach 20 Jahren an der DGB-Spitze nicht mehr antritt. Es sind mehr die Ansprüche an sich selbst, die eine Wiederwahl ausschließen: Oft sei eine allerletzte Amtsperiode «einfach nicht gut», meint er.

Keine Wahlempfehlung

Eine direkte Wahlempfehlung für den Herbst will Schösser nicht geben: «Wir müssen das Gespräch mit allen Parteien suchen, die unsere Forderungen vertreten». Trotz Leiharbeit, Hartz IV und Schröders «Agenda 2010» kann er sich aber zu einer Verbundenheits-Adresse an die Sozialdemokraten durchringen: «Die SPD ist und bleibt meine politische Heimat». Die Linke sei den Gewerkschaftspositionen zwar am nächsten, aber auf absehbare Zeit nicht regierungsfähig.

Richtig laut wird Schösser, als es um die Finanzkrise und die wahlkampffördernde «Renaissance der Sozialen Marktwirtschaft» innerhalb von Parteien geht, die sich beim Ringen um Arbeitnehmer-Rechte bisher nicht gerade hervorgetan haben: Die von der Arbeitgeber-Seite dominierte «Initiative für neue Soziale Marktwirtschaft» etwa findet er geradezu widerlich: «Da sitzen genau die Leute mit Seehofer in einer Runde, die uns die Scheiße eingebrockt haben». Persönlich hofft Schösser, dass sich Seehofer als Bayerischer Ministerpräsident «nur so lange hält wie der Beckstein».

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