Ostallgäu
Der lange Weg zum letzten Willen

«Die Leute haben nun mehr Sicherheit und mehr Klarheit darüber, was mit ihnen passiert, wenn sie nicht mehr selbst entscheiden können:» Brigitte Engelhard-Lechner, Vorsitzende des Hospizvereins Südliches Ostallgäu, sieht die veränderte Gesetzgebung zur Patientenverfügung als «positive Entwicklung». Seit Monatsbeginn ist dieses Papier für die behandelnden Ärzte verbindlich. «Früher wurde der Wille der Patienten meist nicht beachtet», so Engelhard-Lechner. Sie habe bereits lange darauf gewartet, dass die Regierung sich mit dem Thema auseinandersetzt.

Was passiert mit mir, wenn ich im Krankenhaus liege? Wenn ich mich nicht mehr äußern kann? Wenn es keine Aussicht auf Heilung gibt? Um in diesem Bereich mehr Rechtssicherheit zu schaffen, hat der Bundestag entschieden: Patientenverfügungen sind nun gesetzlich geregelt und im Betreuungsrecht verankert.

Allerdings müssen die Anweisungen so konkret formuliert sein, dass sie keine Missverständnisse zulassen. Der Patientenwille muss also, wenn es um lebensverlängernde Maßnahmen geht, vorrangig berücksichtigt werden, unabhängig von Art und Stadium der Erkrankung. «Ein Patient muss sich nicht zwangsläufig im Sterbeprozess befinden, eine Tötung auf Verlangen bleibt aber natürlich auch weiterhin untersagt», erklärt Ottmar Huffschmid, Vorsitzender des Anwaltvereins Kaufbeuren. Er begrüßt das neue Gesetz, denn es habe juristisch wie auch medizinisch Sinn.

«Bestehen Zweifel über den wirklichen oder mutmaßlichen Willen des Patienten, entscheidet das Vormundschaftsgericht», sagt der Jurist. Dieses müsse notfalls sogar die Genehmigung zum Behandlungsabbruch erteilen. Was sich vernünftig liest, muss sich jedoch erst bewähren. «Wie es sich in der Praxis verhält, kann ich nicht sagen», so Huffschmid.

Zufrieden mit dem neuen Gesetz sind auch viele Ärzte, denn «verbindliche Patientenverfügungen erleichtern uns die Arbeit», verrät Dr. Andreas Feil. Der Obmann der Ärzte-Dienstgruppe Füssen rät zum schriftlichen Verfassen des Willens.

«Man kann dadurch leichter unnötige, quälende Maßnahmen vermeiden. Denn manchmal stellt sich die Frage, ob der Patient überhaupt reanimiert werden will, sollte er massive Schäden davontragen», so Feil. Natürlich habe nicht jeder Notfall-patient ein Formular bei sich - somit dauert es seine Zeit, bis der behandelnde Arzt Bescheid weiß, wie er nun verfahren soll. Dazu muss er beim Hausarzt des Patienten nachfragen, denn hier lagern die meisten Patientenverfügungen. Zudem wird sich bei den Verwandten erkundigt.

Negativ sieht Feil allerdings die Schwierigkeit, eine hieb- und stichfeste, zeitgleich jedoch leicht zu verstehende, kurze Verfügung zu verfassen. «Man kann seinen Behandlungswunsch theoretisch auch auf einen Bierdeckel schreiben, das ist auch gültig.

Aber um wirklich sicher zu sein, dass der Wille auch durchgeführt wird und dass keine Missverständnisse auftreten, sollte ein Notar hinzugezogen werden», rät der behandelnde Arzt.

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