Marktoberdorf
Der lange Weg zum letzten Willen

Sich mit der Endlichkeit des eigenen Lebens zu befassen, kann sehr schwer sein. «Die Menschen beschäftigen sich einfach nicht gerne mit dem Tod», sagt der Marktoberdorfer Rechtsanwalt Dirk Liffers. Ein Thema, das oft lange Zeit vor sich hergeschoben wird. Sei es das Verfassen eines Testamentes oder eine Patientenverfügung. Dabei ist gerade diese ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum letzten Willen. Was passiert mit mir, wenn ich im Krankenhaus liege? Wenn ich mich nicht mehr äußern kann? Wenn es keine Aussicht auf Heilung gibt? Um hier mehr Rechtssicherheit zu schaffen, hat der Bundestag entschieden: Patientenverfügungen sind künftig gesetzlich geregelt und im Betreuungsrecht verankert. Rechtsanwalt Dirk Liffers hält diese Neuerung für einen «großen Gewinn und Fortschritt». Früher sei eben nicht klar gewesen, ob der behandelnde Arzt dem Willen eines Patienten nachkommen muss oder nicht.

Für Ärzte ist der schriftlich verfasste Wille nach dem neuen Gesetz eben verbindlich. Allerdings müssen die Anweisungen so konkret formuliert sein, dass sie keine Missverständnisse zulassen. Der Patientenwille muss also, wenn es um lebensverlängernde Maßnahmen geht, vorrangig berücksichtigt werden - unabhängig von Art und Stadium der Erkrankung. Der Rechtsanwalt begrüßt das neue Gesetz.

Der Marktoberdorfer Hausarzt Dr. Markus Strieder begrüßt die Änderung zwar ebenfalls, sieht jedoch keine gravierenden Fortschritte. Bisher sei es so gewesen: «Wenn der Wille des Patienten erkennbar war, war dies bindend», erklärt Strieder. Beispielsweise wenn ein Patient das Essen verweigert habe. Der Hausarzt hebt hier besonders das enge Verhältnis zu seinen Patienten hervor: «Das ist mehr als ein Stück Papier.

» Für Ärzte im Krankenhaus könne die Änderung jedoch schon eine Erleichterung darstellen, da sie die Patienten häufig weniger gut kennen.

«Bewusstsein nimmt zu»

Wolfgang Gruber hat als Krankenhausseelsorger seine Zweifel, wenn es um die Umsetzung des Gesetzes geht. «Wenn etwa ein Notarzt zu einem Einsatz gerufen wird, wo soll er dann nach der Patientenverfügung suchen?», fragt der Zweite Vorsitzender des Hospizvereins Ostallgäu. Grundsätzlich begrüße er die Entscheidung des Bundestages aber: «Der letzte Wille des Menschen wird dadurch deutlich begünstigt.»

Er selbst hat wegen seines Berufs tagtäglich mit Krankheit und Tod zu tun. Für einen Großteil der Menschen sei dies ein unangenehmes Thema. Gruber erklärt: «Das Bewusstsein nimmt diesbezüglich allerdings deutlich zu.» Immer öfter würden Kranke wie auch Gesunde solche Patientenverfügungen verfassen. Eigentlich, so Gruber, sei dies auch schon in jüngeren Jahren sinnvoll. «Man weiß ja nie, was passiert», meint der Pfarrer.

Sein Rat: Eine Patientenverfügung sollte regelmäßig aktualisiert werden. «Mindestens alle zwei Jahre», sagt Gruber. Weil sich zum einen die grundsätzliche Einstellung zu Leben und Tod mit fortschreitendem Alter ändere. Zum anderen wegen des medizinischen Fortschritts. Gruber: «Es gibt ständig neue Möglichkeiten der Behandlung.

» Auch Liffers rät zur beständigen Aktualisierung: «Derartig wichtige Dinge sollten immer altersgerecht gestaltet werden», meint er.

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