Buchloe / Ostallgäu
Der lange Weg zum letzten Willen

Sich mit der Endlichkeit des eigenen Lebens zu beschäftigen kann sehr schwer sein. Für viele Menschen ist es ein unliebsames Thema. Eines, das oft lange Zeit vor sich hergeschoben wird. Sei es das Verfassen eines Testamentes oder eine Patientenverfügung. Dabei ist gerade diese ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum letzten Willen. Um in diesem Bereich mehr Rechtssicherheit zu schaffen, hat der Bundestag entschieden: Patientenverfügungen sind künftig gesetzlich geregelt und im Betreuungsrecht verankert. «Eine Patientenverfügung ist ab 1. September zudem schriftlich abzufassen», erklärt der Buchloer Rechtsanwalt Florian Schwarz.

Konkrete Formulierung

Für Ärzte ist der schriftlich verfasste Wille nach dem neuen Gesetz verbindlich und muss vorrangig berücksichtigt werden - unabhängig von Art und Stadium der Erkrankung. Dies betrifft explizit auch die Einleitung sowie Aufrechterhaltung lebensverlängernder Maßnahmen. Schwarz begrüßt das neue Gesetz: «Es nimmt die alleinige Verantwortung von denen, die bisher über die Fortführung lebenserhaltender Maßnahmen entscheiden mussten.» Familienangehörigen, Ärzten und Pflegepersonal bleibe somit ein enormer psychischer Druck erspart. «Zudem wird das Persönlichkeitsrecht des Patienten gewahrt, auch wenn dieser selbst nicht mehr geschäfts- oder handlungsfähig ist», meint der Fachanwalt für Familienrecht weiter.

Er betont jedoch auch: Was sich vernünftig liest, muss sich erst noch bewähren. «Der Gesetzgeber sagt uns, dass die Verfügungen in Zukunft verbindlich sind und gibt den Familien den Auftrag, sich daran zu halten. Dies kann zu Streitfälle führen.» Vor allem dann, wenn die Formulierung der Verfügung nicht konkret genug ist und Missverständnisse nicht eindeutig ausschließt. Schwarz rät daher, sich beim Aufsetzen einer Verfügung unbedingt an einen Anwalt oder Notar zu wenden. Denn: Bestehen Zweifel über den wirklichen oder mutmaßlichen Willen des Patienten, entscheidet das Vormundschaftsgericht.

Auch Wolfgang Gruber hat seine Bedenken, wenn es um die Umsetzung des Gesetzes geht. «Wenn etwa ein Notarzt zu einem Einsatz gerufen wird, wo soll er dann nach der Patientenverfügung suchen?», fragt der Klinik-Seelsorger und Zweite Vorsitzende des Hospizvereins Ostallgäu. Grundsätzlich begrüße er die Entscheidung des Bundestages aber. «Der letzte Wille des Menschen wird dadurch deutlich begünstigt», sagt er.

«Man weiß nie, was passiert»

Er selbst habe wegen seines Berufs tagtäglich mit Krankheit und Tod zu tun. Für einen Großteil der Menschen sei das ein unangenehmes Thema. Gruber erklärt: «Das Bewusstsein nimmt diesbezüglich allerdings deutlich zu.» Immer öfter würden Kranke wie auch Gesunde solche Patientenverfügungen verfassen. Eigentlich, so Gruber, sei dies auch schon in jüngeren Jahren sinnvoll. «Man weiß ja nie, was passiert», meint der Seelsorger.

Sein Rat: Eine Patientenverfügung sollte regelmäßig aktualisiert werden. «Mindestens alle zwei Jahre», sagt Gruber. Weil sich zum einen die grundsätzliche Einstellung zu Leben und Tod mit fortschreitendem Alter ändere. Zum anderen wegen des medizinischen Fortschritts. Gruber: «Es gibt ständig neue Möglichkeiten der Behandlung.»

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