Kaufbeuren
Der lange Weg zum letzten Willen

Sich mit der Endlichkeit des eigenen Lebens zu beschäftigen kann sehr schwer sein. «Es ist für viele Menschen ein unliebsames Thema», sagt der Kaufbeurer Rechtsanwalt Ottmar Huffschmid. Ein Thema, das oft lange Zeit vor sich hergeschoben wird. Sei es das Verfassen eines Testamentes oder eine Patientenverfügung. Dabei ist gerade diese ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum letzten Willen. Was passiert mit mir, wenn ich im Krankenhaus liege? Wenn ich mich nicht mehr äußern kann? Wenn es keine Aussicht auf Heilung gibt? Um in diesem Bereich mehr Rechtssicherheit zu schaffen, hat der Bundestag entschieden: Patientenverfügungen sind künftig gesetzlich geregelt und im Betreuungsrecht verankert. «Eine Patientenverfügung ist ab September zudem schriftlich abzufassen», erklärt Huffschmid.

Konkrete Formulierung

Für Ärzte ist der schriftlich verfasste Wille nach dem neuen Gesetz verbindlich. Allerdings müssen die Anweisungen so konkret formuliert sein, dass sie keine Missverständnisse zulassen. Der Patientenwille muss also, wenn es um lebensverlängernde Maßnahmen geht, vorrangig berücksichtigt werden - unabhängig von Art und Stadium der Erkrankung. Der Rechtsanwalt begrüßt das neue Gesetz. Es mache juristisch wie auch medizinisch Sinn. Er erklärt weiter: «Bestehen Zweifel über den wirklichen oder mutmaßlichen Willen des Patienten, entscheidet das Vormundschaftsgericht.» Dieses müsse notfalls sogar die Genehmigung zum Behandlungsabbruch erteilen. Was sich vernünftig liest, muss sich jedoch erst bewähren. «Wie es sich letztlich in der Praxis verhält, kann ich nicht sagen», so Huffschmid.

Auch Wolfgang Gruber hat seine Zweifel, wenn es um die Umsetzung des Gesetzes geht. «Wenn etwa ein Notarzt zu einem Einsatz gerufen wird, wo soll er dann nach der Patientenverfügung suchen?», fragt der Leiter des Kaufbeurer Seelsorgezentrums und Zweiter Vorsitzender des hiesigen Hospizvereins. Grundsätzlich begrüße er die Entscheidung des Bundestages aber. «Der letzte Wille des Menschen wird dadurch deutlich begünstigt», sagt er.

Er selbst hat wegen seines Berufs tagtäglich mit Krankheit und Tod zu tun. Für einen Großteil der Menschen sei die ein unangenehmes Thema. Gruber erklärt: «Das Bewusstsein nimmt diesbezüglich allerdings deutlich zu.» Immer öfter würden Kranke wie auch Gesunde solche Patientenverfügungen verfassen. Eigentlich, so Gruber, sei dies auch schon in jüngeren Jahren sinnvoll. «Man weiß ja nie, was passiert», meint der Seelsorger.

Sein Rat: Eine Patientenverfügung sollte regelmäßig aktualisiert werden. «Mindestens alle zwei Jahre», sagt Gruber. Weil sich zum einen die grundsätzliche Einstellung zu Leben und Tod mit fortschreitendem Alter ändere. Zum anderen wegen des medizinischen Fortschritts. Gruber: «Es gibt ständig neue Möglichkeiten der Behandlung.»

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