Der Landkreis ist ein sicheres Pflaster

Von Peter Mittermeier | Westallgäu/Lindau Sie kommen meist bei Tageslicht, schrecken auch vor Tresoren nicht zurück und verschwinden genauso unauffällig wie sie gekommen sind. Die Rede ist von professionellen Einbrecherbanden, die im vergangenen Jahr auch im Landkreis ihr Unwesen getrieben haben. 'Die Qualität der Einbrüche steigt', stellte Reinhard von der Grün, Chef der Lindauer Kriminalpolizei, bei der Vorlage des Jahresberichtes seiner Dienststelle vor.

Insgesamt mussten die 16 Beamten der Lindauer Kripo im vergangenen Jahr 623 Straftaten bearbeiten, 128 mehr als im Vorjahr. Reinhard von der Grün spricht deshalb von einem 'arbeitsintensiven Jahr'. Für die Bürger gibt es gleichwohl keinen Grund zur Besorgnis. 'Der Landkreis ist ein sicheres Pflaster', sagt der Erste Polizeihauptkommissar. Und: Fast 84 Prozent der Taten haben die Beamten der Kripo geklärt - die Quote liegt deutlich über dem Landesdurchschnitt. Von der Grün spricht denn auch von einem 'tollen Ergebnis'.

Viel Arbeit machen den Kriminalbeamten Diebstähle. Zwar bewegt sich die Zunahme im Rahmen der jährlichen Schwankungen, dafür 'steigt die Qualität der Delikte an', schildert von der Grün. Die Täter sind meist in Banden organisiert und kommen überwiegend aus dem Osten, beziehungsweise Südosten Europas. 'Sie sind hochmobil, schlagen zu und verschwinden wieder', sagt Polizeihauptkommissar Chris Wucher. Die Spur der Banden lässt sich oft rund um den ganzen Bodensee verfolgen. Die Einbrecher schlagen meist untertags oder in der Dämmerung zu, nachdem sie die Häuser und Wohnungen ausbaldowert haben. In der Regel interessieren sich die Täter nur für Bargeld und Schmuck. Auch Tresore stoppen sie oft nicht - sie werden mit entsprechender Ausrüstung geknackt. Obwohl die Beamten den grenzüberschreitend aktiven Tätern oft nur 'hinterherlaufen' (von der Grün) sei der Lindauer Kripo im vergangenen Jahr zusammen mit Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt ein 'toller Erfolg' gelungen. Nach Ermittlungen, die von Deutschland aus nach Österreich, Ungarn und die Slowakei führten, wurden Mitglieder einer Autoschieberbande verhaftet, mehrere hochwertige Fahrzeuge sichergestellt.

Urteile schrecken ab

Roheitsdelikte Gegen den Trend zurückgegangen ist die Zahl der Rohheitsdelikte. Darunter fallen Körperverletzungen, aber auch Raub und Freiheitsberaubung. Die Kripo hofft, dass sich der Trend bestätigt. 'Dann hätten die Präventionsmaßnahmen der Polizei in Lindenberg und Lindau Wirkung gezeigt', sagt von der Grün. Ähnliches bescheinigt er den Urteilen des Amtsgerichtes. Das hatte mehrere Schläger nach brutalen Übergriffen in Lindenberg ins Gefängnis geschickt. 'Die harten Strafen haben durchaus ein gewisses Maß an Abschreckung.'

Vermögensdelikte Reinhard von der Grün beobachtet seit Jahren eine Entwicklung: Geht es mit der Konjunktur bergab, steigt die Zahl der Betrugsfälle, geht es mit Wirtschaft und Arbeitsplätzen bergauf, sinkt sie. Das ist auch jetzt der Fall. Sorgen bereiten der Kripo aber Betrüger im Internet. 'Die Leute sind da sehr erfindungsreich' (von der Grün).

Drogen Nur bedingt Aussagekraft hat die Statistik in diesem Bereich. Grund: Kommt die Kripo einem Dealer auf die Schliche, führt das in der Regel auch zu Ermittlungen gegen Lieferanten und Abnehmer. Die Zahlen steigen also stark an. Im vergangenen Jahr lag das vor allem an zwei Fällen. Einmal nahm die Kripo zwei Brüder aus einem Westallgäuer Dorf fest. Dann überführten die Beamten einen 51-Jährigen Lindauer, der unter anderem an Jugendliche Drogen verkauft hatte. Vom Landgericht bekam er die Quittung: Eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Sexualverbrechen Der Anstieg liegt im langjährigen Vergleich 'im normalen Rahmen' (von der Grün). In den Zahlen niedergeschlagen hat sich die 'Operation Himmel'. Dabei wurde bundesweit wegen Besitzes, beziehungsweise Verbreitens kinderpornographischer Schriften ermittelt. Insgesamt zehn Verfahren wurden im Landkreis eingeleitet, zahlreiche Wohnungen durchsucht und Computer sichergestellt.

Tatverdächtige Zur Klärung der Fälle hat die Lindauer Kriminalpolizei insgesamt 385 Tatverdächtige ermittelt. Das Gros, nämlich 310, davon war männlich. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger lag ähnlich wie in den Vorjahren bei 25 Prozent.

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