Baisweil
Der künftige Hephaistos von Baisweil

Derzeit von einer guten Wirtschaftslage zu sprechen, wäre vermessen. In solchen Zeiten einen Betrieb eröffnen zu wollen, bedarf der Zuversicht. Wer dann auch noch einen fast ausgestorbenen Handwerksberuf ergreifen will, um sich selbstständig zu machen, benötigt noch mehr Mut. Doch nicht nur das will Klaus Steinhauser machen. Der Baisweiler baute aus historischem Material eine Schmiede, will das Handwerk gründlich lernen und mit alten Werkzeugen traditionell arbeiten: «So wie es früher war, will ich schmieden.»

Dabei ist Steinhauser eigentlich kein Schmied. Als Schweißer ist er zwar das Bearbeiten von Metall gewohnt, doch die tieferen Geheimnisse des Schmiedehandwerks muss er erst noch lernen. Der 44-Jährige sah bei einem Schwager, wie das heiße Metall mit starkem Arm geformt wird. «Das war faszinierend.» Als dann ein Umzug innerhalb der Gemeinde anstand, wuchs in Steinhauser der Entschluss, mit Hammer und Amboss selbst arbeiten zu wollen. 200 Meter von seinem jetzigen Wohnort stand der Bauernhof, in dem Steinhauser lebte. Dort brach er eine alte Scheune ab. «Aus dem Material habe ich in rund einem Jahr meine Schmiede gebaut, die jetzt fast fertig ist.» Darin will Steinhauser ein altes und ehrwürdiges Gewerbe betreiben. Schon in der Kupfersteinzeit vor rund 7000 Jahren - zur Zeit des «Ötzi» - wurde Metall bearbeitet.

In den Mythen war Hephaistos, der griechische Gott des Feuers, ein geschickter Hüter der Esse, und in den Sagen schuf Wieland der Schmied ein mit Gänsekot nitriertes Schwert, das dicke Wollbüschel bei sanftem Druck zerschnitt. Doch vom traditionellen Schmieden am offenen Feuer («Spanloses Umformen von Metallen zwischen zwei Werkzeugen durch Querschnittsveränderung») ist kaum etwas übrig. Heutzutage wird meist industriell geschmiedet - 2008 seien rund acht Milliarden Teile für Fahrzeuge, Flugzeuge und Schiffe gefertigt worden. Ansonsten blieben nur Kunstschmiede übrig. «Das macht kaum noch einer. Heute gibt es nur Fertigteile, dabei sind handgeschmiedete Stücke schöner und haltbarer», meint Steinhauser.

Das Handwerk will er bei einem befreundeten Schmied erlernen, so sei es abgemacht. Zuvor sucht er noch Federhammer, Transmissionsriemen mit Zahnrädern, Ständerbohrmaschine mit Riemenantrieb, Zangen oder Sägen, wie sie vor etwa 100 Jahren in Gebrauch waren. Alles soll ins historische Ambiente passen: «Beim Schmieden hat sich wenig verändert. Mit dem Hammer muss man trotzdem auf den Amboss schlagen», so Steinhauser. Ein Faible für altes Handwerk hat er: So steht im Garten ein altes Badehaus, in dem das Wasser mit Holzkohle gewärmt wird. Das hat Steinhauser selbst gebaut - und es funktioniere: «Ich bade oft darin.»

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