Ausstellung
Der Kemptener Künstler Jürgen Meyer zeigt seine verstörenden Bilder

«Ausgeräumt» wurde in der Galerie am Fürstenhof in Kempten ein Raum für Jürgen Meyer. Dieses titelgebende Ereignis ist bis zum 21. April zu sehen und wird heuer noch, konzipiert von Christian Hof, mit drei anderen Künstlern stattfinden.

Ein Kontrastprogramm zu den normal dort zu findenden ästhätischen Drucken von Hechelmann & Co. bietet Jürgen Meyer allerdings. Als «wohnzimmer-tauglich» lassen sich seine Arbeiten - gut 15 Bilder hängen an zehn Meter Wand - nicht etikettieren. Verstörend und provozierend werden dort Lebens-Rückseiten abgebildet. «In us Dachau» heißt das Herzstück dieser Schau.

Lapidar und unpathetisch

Auf einer Schultafel ist ein Fragment Mensch zu sehen. Lange hat Meyer probiert, bis dieser Titel in der nötigen lapidaren, unpathetischen Art auf der Tafel verewigt war. Was für Karfreitags-Stimmung wird da sein, wenn Meyer wie geplant weitere Tafeln bearbeitet?

Als Meyer noch Hochschullehrer war und in Dachau wohnte, erlebte er den Umgang mit der KZ-Vergangenheit hautnah. Zum Gemälde-Zitat «Warten auf Godot» gibt es viel zu sagen, was Dr. Agathe Schmiddunser, Kunsthistrorikerin von der Ludwig-Maximilians-Universität (München), in ihrer vielbeachteten Ausstellungseinführung auch tat.

Dann sieht man ein seltsam schwebendes, wie ein Heißluftballon von Ideen gefülltes Haus. Auch das Thema «Berg» ist vertreten. Eine ganze Serie arbeitet mit der Spannung zwischen Menschen-«Gekritzel» (für Meyer alles andere als ein Schimpfwort) und Häusern aus Gitterstrukturen, «Schutzräume» betitelt.

Eisenchlorid und Tapetenbücher

In den Schaufenstern sieht man Proben von den Tapeten-Musterbüchern, auf die das BBK-Vorstandsmitglied mit Eisenchlorid zeichnet. 20 Jahre hat diese Substanz sich in die ältesten Proben schon hineingerostet. «Blutet» bei dieser ätzenden Mischung aus Reife und Zerstörung. Meyer hat die Vision, die Ernte dieser Technik wie uralte archäologische Textlien in Plexiglas zu konservieren. Respekt, dass das Galeristen-Ehepaar Matzner so fordernde Werke aufnimmt.

Geöffnet Dienstag 14.30 bis 18.30 Uhr, Mittwoch bis Freitag zusätzlich 9 bis 12.30 Uhr, Samstag 10 bis 14 Uhr

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