Schochen / Ronsberg
Der Kampf gegen die Windmühlen von Schochen

Grüne Wiesen, ruhige Wälder und ein herrliches Panorama. Aus der ländlichen Idylle rund um Ronsberg könnte jedoch bald ein eiskalter Hauch in Richtung Rathaus der Marktgemeinde wehen. Gegen die geplanten Windräder bei Schochen formiert sich unter den Anliegern langsam aber sicher Widerstand. «Es ist wichtig, dass die Menschen spüren, dass sie mit solchen Windrädern ein Stück Heimat verlieren. Wir wollen nicht, dass sich das schöne Allgäu in ein Industriegebiet verwandelt», begründet Anwohner Günter Eberlein den Widerstand.

Wie vor Kurzem berichtet, sollen südlich von Ronsberg ein oder zwei Windräder mit mindestens 100 Meter Höhe errichtet werden. Der Marktrat der Gemeinde Ronsberg hatte jüngst trotz einiger kritischer Stimmen beschlossen, die schon 2006 ausgewiesene Konzentrationsfläche bei Schochen und auch Windräder dieser Größe zu begutachten sowie Kontakt mit der Baugenehmigungsbehörde am Landratsamt aufzunehmen, um einen eventuell für diese Fläche notwendigen Bebauungsplan zu beraten.

Das Schlimmste für die Anlieger ist, dass sie nach eigener Aussage nicht informiert wurden.

«Weder vom Bürgermeister noch vom Gemeinderat», beklagt Manfred Brandl, der in Schochen einen Hof besitzt, in dessen direkter Umgebung die Windräder gebaut werden sollen («Beim Kauf des Hauses 2006 wurde uns auch nichts von der ausgewiesenen Fläche gesagt»).

«Grundsätzlich für Windenergie, aber nicht um jeden Preis»

«Wir sind grundsätzlich für Windenergie», sagt Heilpraktiker und Ingenieur Brandl, «aber nicht zu jedem Preis». Der Preis, den die Anlieger befürchten zahlen zu müssen, seien nicht nur die Zerstörung der Natur, sondern andauernde Belästigungen: «Es geht hier auch um Lautstärke, Infraschall, der die Gesundheit beeinträchtigt, um Schattenwurf und ständiges, rotes Blinken in der Nacht», erklärt Anwohnerin Angelika Langer. Nicht zuletzt bestehe im Winter die Gefahr von Eisabwurf.

Er habe im Umkreis von 100 Metern um die schon bestehenden Windräder an der Straße Richtung Ollarzried im Winter Eisstücke von bis zu 50 Zentimeter Länge gesehen, erzählt Landwirt Hans Weißenhorn. Weiterhin fürchten die Anwohner um den Frieden in ihrer Nachbarschaft: «Es kommt Argwohn und Streit auf, wenn einer eine Anlage auf seinem Grund befürwortet und der andere dann den Schaden hat», sagt Brandl.

Dabei ist das vorgesehene Gebiet nach Ansicht Brandls und seiner Mitstreiter kaum für Windkraft geeignet: «Hier herrschen Thermik und Westwind. Das bedeutet verwirbelte Luft und damit wenig Effizienz», meint Brandl, der eine objektive Windmessung am geplanten Standort fordert. «Die ist Pflicht und muss gemacht werden», erklärt Eberlein dazu.

Er, Brandl und ihre Mitstreiter sind zudem der Ansicht, dass die Gemeinde - wie sie selbst - eigentlich machtlos ist: «Es wurde ausgewiesen, um bei den Regelungen mitreden zu können. Mittlerweile merkt man im Gemeinderat, dass man überhaupt nicht mitreden kann», glaubt Eberlein.

Der Ronsberger Bürgermeister Gerhard Kraus wollte unserer Zeitung auf Nachfrage keine Auskunft zu dem Sachverhalt geben.

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