Frankenabend
Der Gnobbern und das Grischberla

Seit acht Jahren treffen sich die Exil-Franken alljährlich zum Frankenabend in Lindenberg. Rund 200 zwischen Weißenburg, Würzburg und Coburg geborene Landsleute, die ihre zweite Heimat im Allgäu gefunden haben, pflegen ihre fränkische Seele, indem sie die fränkischen Dialekte hochhalten, fränkische Spezialitäten genießen, fränkische Souvenirs mit nach Hause nehmen und über fränkisches Kabarett lachen. Unter die Besucher mischen sich die Sympathisanten des fränkischen Wesens. Heuer sorgte das Totale Bamberger Cabaret, kurz TBC genannt, für ein vergnügtes Publikum.

«Franken ist Vielfalt - Bayern ist Einfalt», so stellte Detlev Tartsch, Mitinitiator der bürgerlichen fränkischen Volkspartei «Die Franken» den Fränkischen Bund vor. Der eingetragene Verein macht sich stark für die fränkischen Interessen in Bayern, für die schöne Region Frankenland und kämpft für mehr Unabhängigkeit und für mehr Eigenständigkeit im bayerischen Verwaltungs- und Organisationssystem. Allein in Bayern leben 4,2 Millionen Franken, weltweit seien es 5,5 Millionen. In der EU (23 Mitglieder) wäre ein fränkischer Staat wirtschaftlich an 15. Stelle, so Tartsch.

Das Kabarett-Trio forderte die Einführung des Männerarztes, reduzierte das G8 auf ein G1 bis 0, hob das Zölibat in den Himmel, sah die Klimaveränderung schon im Westallgäu angekommen («Am weißen Strand von Engenberg»), und meinte, der Hades lasse sich mit Weiler vergleichen. Nicht fehlen durfte ein Sketch über die berühmten weichen fränkischen Konsonanten b, d und g. Komik ist garantiert, wenn der Franke sich müht, im Baumarkt Durchsagen in hochdeutsch zu machen.

1000 «evangelische» Bratwürste, tagfrisch aus Mittelfranken importiert, gingen über die Theke, und an die 400 Seidla Kellerbier, dazu Sauerkraut und (gespendetes) Brot aus einer fränkisch geführten Lindenberger Bäckerei. So eine Brotzeit kommt auch bei Einheimischen an.

Das Essen bleibt der Anziehungspunkt des traditionellen Treffens; zudem verwöhnt das hin und her flitzende Serviceteam vom TSZ-Förderkreis die hungrigen Mäuler.

Beim kniffligen Frankenrätsel, wieder ausgedacht von Reinhard Sieber (Weißenburg), lernen selbst manche Möchtegern-Franken dazu: ein «Gnobbern» ist kein Hosenknopf, sondern ein Schimpfwort für einen sturen, frechen Menschen; ein «Grischberla» ist keine Heulsuse, sondern ein schmächtiger Kerl; das einzige Hirtemuseum der Welt steht in Hersbruck und «greina wäi a Sau» kann der Barde Günter Stössel.

Wer das Lösungswort «Ludwig Erhard» fand (der Bundeskanzler stammt aus Fürth), nahm an der Verlosung teil. Ein Wochenende in einem vornehmen fränkischen Hotel in Schillingsfürst bei Ansbach war der Hauptpreis.

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