Lebensretter
Der gebürtige Kaufbeurer Sascha Mrotzek erhält in München die Christopherus-Medaille des Ministerpräsidenten

An den 16. August 2008 erinnert sich Sascha C. Falk Mrotzek auch heute, fast vier Jahre später, noch immer ganz genau. Er war damals in der Münchner Innenstadt unterwegs, als ihn ein aggressiver Betrunkener anrempelte. Mrotzek reagierte zunächst nicht darauf, denn er hatte kurz zuvor beobachtet, wie der Unbekannte mit der Faust gegen einen Torbogen geschlagen hatte.

<< Ich wollte einer Eskalation aus dem Weg gehen >>, sagt er. Doch als er wenig später sah, dass der Betrunkene eine Ecke weiter einen weiteren Passanten anpöbelte, drehte er um und schritt ein. Gerade noch rechtzeitig.

Der Täter, so Mrotzek, hatte dem Mann schon ins Gesicht geschlagen und ihn zu Boden gerungen. << Das Opfer lag in einer Blutlache, und der Angreifer wollte gerade zu einem weiteren Tritt ausholen >>, erzählt der gebürtige Kaufbeurer. Er schubste den Betrunkenen zur Seite und rettete dem Verletzten mit seinem beherzten Eingreifen womöglich das Leben.

Ein einprägender Moment, für den der 35-Jährige jüngst vom Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer in München mit der Christopherus-Medaille (siehe Infokasten) ausgezeichnet wurde. << Es stand für mich nie infrage, ob ich eingreifen soll >>, meint Mrotzek. Er sei lange Zeit beruflich für die Sicherheit eines Managers zuständig gewesen, habe daher ein besonderes Auge für solch brenzlige Situationen. Dass er sich und sein Leben dadurch selbst in Gefahr brachte, sei ihm erst später bewusst geworden.

<< Man ist zunächst einmal fassungslos. Es läuft alles ab wie in einem Film >>, so der 35-Jährige gegenüber der AZ. Den Mut Mrotzeks und 123 weiterer Geehrter stellte auch Seehofer bei seiner Laudatio in der Residenz in den Mittelpunkt. << Der Einsatz des eigenen Lebens für andere kann nicht hoch genug geschätzt werden. Lebensretter, die hinschauen und sich für andere einsetzen, sind wahre Helden des Alltags und Vorbilder für unsere Gesellschaft >>, so der Ministerpräsident. Ein Leben zu retten sei eine Frage der inneren Einstellung.

Mrotzek selbst war von der Auszeichnung zunächst überrascht. Inzwischen sei er aber richtig stolz darauf. Etwas Besonderes sei sein Handeln aber nicht gewesen. Darauf beharrt er weiterhin. << Wenn man sich schon von klein auf für seine Mitmenschen einsetzt, ist so etwas nur die logische Folgerung >>, meint er.

Schon als Jugendlicher und junger Erwachsener engagierte sich Mrotzek in Vereinen und Verbänden ehrenamtlich. Zwölf Jahre lang war er etwa Mitglied im Vorstand der Kaufbeurer Stadtolympiade, zudem aktiv im Ortsverband der Kaufbeurer CSU und bei der Jungen Union - bis er im Jahr 2002 aus beruflichen Gründen nach München zog.

Als es im Sommer 2009 zum Prozess vor dem Amtsgericht in München kam, bedankte sich der Angreifer bei seinem Retter. << Das war sehr rührend >>, meint Mrotzek. Doch neben der Freude überwiegt auch heute noch die Fassungslosigkeit. << Ich frage mich oft, warum so etwas passieren muss. Warum sind viele junge Menschen so gewaltbereit? >>, sagt er.

Künftig wolle er seine Auszeichnung daher auch << als Türöffner >> einsetzen - um in Gesprächen mit Politikern Antworten auf diese Frage zu finden. Der Täter vom 16. August 2008 wurde übrigens nie belangt. Bevor es zur zweiten Verhandlung vor dem Landgericht kam, gelang es dem Mann, sich ins Ausland abzusetzen.

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