Oberstdorf
Der Freibergsee leidet an Wasserschwund

Der Freibergsee in Oberstdorf wird immer kleiner: Einen «außergewöhnlich niedrigen Wasserstand» beklagt Siegmund Rohrmoser, Fraktionssprecher der Grünen im Marktgemeinderat, den zunehmend tümpelähnlichen Zustand. «Die Schlammbänke am Ufer werden immer breiter», hat er festgestellt und die Verwaltung gebeten, dem Wasserschwund nachzugehen. Rohrmoser hat fürs erste nur zwei Erklärungen zur Hand: den niederschlagsarmen Sommer oder ein kleines Erdbeben.

Der markteigene Freibergsee, der durch mehrere kleinere Zuflüsse und möglicherweise auch durch ein paar Quellen auf Seegrund gespeist wird, verfügt über keinen oberirdischen Abfluss, erklärt Rohrmoser. Das Wasser könne nur unterirdisch versickern oder durch Spalten abfließen. Die Erklärung, der gesunkenen Wasserpegel habe allein mit dem trockenen Sommer zu tun, ist für ihn nicht ganz befriedigend: Der Wasserspiegel sei schon im regenreichen Frühsommer recht niedrig gewesen.

Für ihn würde ein kleines Seebeben durchaus Sinn machen. In den 50er Jahren, so wird in Oberstdorf erzählt, habe es schon mal ein kleines Beben gegeben. Danach sei der Pegel sehr stark gesunken, das Wasser vermutlich durch eine neue Spalte abgeflossen. Der Wasserstand habe sich später wieder normalisiert, vermutlich habe Schlamm die Spalte geschlossen.

Karl Schindele, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes in Kempten, hält ein Beben dagegen für unwahrscheinlich. Erdbewegungen würden aufgezeichnet, davon hätte man erfahren müssen. Er tippt eher auf witterungsbedingte Ursachen: «Wir haben totales Niedrigwasser überall.»

Für Siegmund Rohrmoser ist der schwindende See auch aus touristischer Sicht ein Grund zur Sorge: Falls das Wasser noch weiter zurückgeht, könne im Sommer die Badeanstalt nicht mehr betrieben werden. Schon heuer habe man den Sprungturm nicht mehr nutzen können. Siegfried Waldvogel sorgt sich mehr um das tierische Leben im Wasser. Zwar sei die Gefahr für die Hechte, Aale, Zander und Karpfen momentan nicht akut, da sie im Winter in tiefere Regionen abtauchen. Aber die gesamte Gewässerökologie im Uferbereich sei in Gefahr.

Kleine Wasserlebewesen, die den Fischen als Nahrung dienen, sterben ab. Und Seerosen und Schilf als beliebte Ablaichplätze stünden im Trockenen.

Rathaussprecher Wolfgang Ländle versichert, dass die Verwaltung versuche, die Ursachen für den Wasserverlust ausfindig zu machen. Denn: «Der Freibergsee ist der Freibergsee, ein Juwel dort oben.» Er werde sich mit dem Wasserwirtschaftsamt in Verbindung setzen. Vermutlich gibts ein Treffen auf halbem Wege, denn Karl Schindele kündigte an: «Wir werden der Sache mal nachgehen.» In einer der nächsten Ratssitzungen steht der See jedenfalls auf der Tagesordnung.

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