Heiligabend
Der Einsamkeit kurz entfliehen

«Sie wünschen - wir kommen». Dieses Motto hat die Lokalredaktion für ihre Weihnachtsaktion gewählt. Wir wollen unsere Arbeitskraft verschenken und mit anpacken, wo Hilfe gebraucht wird. Alle Hände voll zu tun hatte Lokalredakteurin Barbara Hell an Heiligabend bei der «Herberge» der Diakonie.

Punkt 15 Uhr stehen sie bereit, die vier Frauen, alle über 70 Jahre alt, und Cheforganisatorin Renate Kuhles, bei der Diakonie zuständig für allgemeine soziale Beratung. Vor 23 Jahren rief Geschäftsführer Wolfgang Grieshammer die «Herberge» am Heiligen Abend für alle, die nicht allein feiern wollen, obdachlos sind oder Hilfe brauchen, ins Leben. Kam beim ersten Mal etwa ein Dutzend Menschen, sind es jetzt immer um die 100. Und seit vielen Jahren ist es das gleiche Team, das die Geburt Jesu Christi mit tätiger Nächstenliebe feiert. Die älteren Damen legen ein Tempo vor, das der etwas jüngeren Redakteurin fast die Luft raubt. Für die Vorbereitungen bleiben schließlich nur drei Stunden. Also los gehts.

Im Haus International werden erst mal die Tische eingedeckt und weihnachtlich geschmückt. Servietten müssen gefaltet werden, Teller, Tassen, Besteck werden verteilt, Tannenzweige, Nüsse, Kerzen und Mandarinen zieren bald die Tafeln. Schon klopfen die ersten Gäste an die Tür. Geduldig harren sie im Vorraum aus, bis sie sich gegen 17 Uhr an die Tische setzen dürfen.

Das Helferteam hat sich um zwei Männer und zwei jüngere Frauen verstärkt. Jetzt wird nonstop Kaffee gebraut, der alkoholfreie Weihnachtspunsch gebraut und das Putengeschnetzelte mit Spätzle und Gemüse in riesigen Behältern vom Wilhelm-Löhe-Haus abgeholt, wo es zubereitet wurde. Fast alle Zutaten des Abends sind gespendet. Der große Saal füllt sich nach und nach mit Gästen, die sich für den festlichen Anlass so fein herausgeputzt haben, wie es ihr Kleiderschrank nun mal erlaubt.

Zwischen dem Servieren, Ab- und Aufräumen bis knapp 22 Uhr bleibt wenig Zeit für ein Schwätzchen mit dem ein oder anderen Besucher: Die Einsamkeit wollen sie wenigstens an Heiligabend nicht so sehr spüren, vor allem deshalb kommen sie zur Diakonie. Aber auch Armut treibt sie her, die Obdachlosen oder Alten mit Mini-Rente, die Hartz-IV-Empfänger und Alleinerziehenden. Manches Schicksal geht an die Nieren und bestätigt zugleich: Viel sinnvoller kann man den Heiligen Abend nicht verbringen, als diesen Gästen eine Freude zu bereiten.

 

Putengeschnetzeltes servierte Barbara Hell im Helferteam der Diakonie an Heiligabend den Gästen im Haus Internation. Foto: Ralf Lienert

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