Der dreifache Prestel

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Von Johannes Schlecker
| Memmingen Eine weltweit wohl einmalige Sammlung wird ab Sonntag, 5. Oktober, in der Mewo-Kunsthalle der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Aus Anlass des 200. Todestags von Johann Gottlieb Prestel werden knapp 200 reproduktionsgraphische Blätter des Künstlers aus der Goethezeit ausgestellt. Die Ausstellung zu verdanken hat die Stadt Memmingen Dr. Walter Prestel aus Schwelm bei Wuppertal, der über 45 Jahre lang die Blätter des gebürtigen Grönenbachers gesammelt und 2003 über die Vereinigten Stipendienstiftungen der Stadt Memmingen übergeben hat.

Nur durch Zufall stieß Walter Prestel in einem Kölner Museum auf einige Werke des im Jahr 1808 verstorbenen Künstlers und seiner Frau Maria Katharina. «Zunächst hat nicht die Kunst, sondern die Tatsache, dass einer der bedeutendsten Kupferstecher denselben Nachnamen trägt wie ich, mein Interesse geweckt», erklärt der gebürtige Augsburger. Seine Nachforschungen hätten zwar ergeben, dass er kein direkter Nachfahre des Künstlers sei. «Im Zuge der Recherchen hat mich aber sehr gewundert, dass viele Kunsthändler und auch Kunsthistoriker mit dem Namen Prestel nichts anfangen konnten», erklärt der 80-Jährige. Damit der Künstler nicht in Vergessenheit gerät, habe er sich gemeinsam mit seiner Frau auf die Suche nach Blättern seines Namensvetters gemacht. Sie bereisten Städte wie Düsseldorf, Nürnberg, Frankfurt oder Bamberg, in denen der Künstler tätig war.

«Doch zunächst war die Suche nicht sehr erfolgreich», sagt der frühere Diplom-Brauereiingenieur. Das erste Werk habe er schließlich in Frankfurt entdeckt. Da er nicht locker ließ und immer wieder bei verschiedenen Kunsthändlern anfragte, sei der Stein irgendwann doch ins Rollen gekommen. Prestel: «Ich habe sogar einen Anruf aus Paris erhalten.» Von dort habe er das «Schmidtsche Kabinett», eine 30 Blätter umfassende Sammlung, erworben, die ebenfalls in der Mewo-Kunsthalle zu sehen sein wird.

Im Laufe der Jahre wuchs seine Sammlung auf über 200 Radierungen des Grönenbacher Malers, Kupferstechers und Reproduktionsgrafikers an.

Damit die Werke später nicht bei Auktionen wieder voneinander getrennt werden, habe er sich schließlich dazu entschieden, seine komplette Sammlung der Öffentlichkeit zu Verfügung zu stellen.

Bedeutender Bestand

Im Jahr 2003 unterzeichnete er mit Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger in einer Feierstunde die Schenkungsurkunde. Mit dem Rückfluss eines so bedeutenden Bestandes der Kupferstich-Reproduktionen des Grönenbachers, seiner Frau Maria Katharina und deren Nachkommen sei das Tor für eine echte Wiederentdeckung der Künstlerfamilie und deren Heimatregion aufgestoßen worden, freute sich damals Kulturamtsleiter Dr. Hans-Wolfgang Bayer. Damit sei Memmingen auf einen Schlag zu einer der bedeutendsten Anlaufstellen für Prestel und seine Kunst geworden.

Rückblickend stellt Walter Prestel fest, dass die Wahl Memmingens eine Gute gewesen ist. Er selbst sieht sich weniger als Sammler sondern vielmehr als Stifter. «Es ist eine Genugtuung, denn ich weiß, dass meine Lebensaufgabe nun in guten Händen ist», erklärt der 80-Jährige. Auch wenn er und seine Frau das eine oder andere Werk doch ein wenig vermissen.

Eröffnung In Anwesenheit von Dr. Walter Prestel wird die Ausstellung in einer Matinee am Sonntag, 5. Oktober, um 11 Uhr im Lichthof der Mewo-Kunsthalle eröffnet. Die Blätter sind bis 31. Mai 2009 zu sehen.

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