Christoph 17
Der Chefpilot Johann Burger (59) war jahrzehntelang als Rettungsflieger im Allgäu unterwegs

Christoph 17-Hubschrauberpilot Johann Burger hat viel Prominenz geflogen: Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl, den aus Kempten stammenden früheren Landwirtschaftsminister Ignaz Kiechle, Theo Waigel oder beispielsweise den Grünen-Politiker Jürgen Trittin. Und als Papst Benedikt die Bundesrepublik besuchte, waren Burger und seine Kollegen die persönlichen Rettungsflieger des Heiligen Vaters. <%IMG id='1286832' title='Unfall'%>

Das war im September 2006. Der 59-jährige Pilot bei der Bundespolizei hat insgesamt 9000 Rettungseinsätze absolviert. Es gibt nur wenige Hubschrauber-Piloten in Deutschland, die derart viel Erfahrung haben. In der Luft freilich war er viel öfters. Denn die Bundespolizei-Piloten haben auch andere Aufgaben.

Dazu gehörte früher, als die Truppe noch Bundesgrenzschutz hieß, die Sicherung der Grenzen insbesondere nach Osteuropa. Oder in der jüngeren Vergangenheit die Begleitung und Überwachung von Castor-Transporten mit radioaktivem Abfall.

Als junger Bursche war der aus dem Raum Bamberg stammende Burger nach dem Realschulabschluss zum Bundesgrenzschutz (heute Bundespolizei) gegangen. Da ahnte er noch nicht, dass er einmal Berufspilot werden würde. Denn eher zufällig ließ er sich zum Helikopterpiloten ausbilden. Also war Fliegen nicht sein Kindheitswunsch, wie man so oft von Berufspiloten hört? Nein, sagt der überzeugte Wahl-Allgäuer. Und fügt mit aller Bescheidenheit hinzu: 'Vielleicht ist es im Laufe der Jahre zu einer Leidenschaft geworden.'

Zumindest war die Begeisterung so groß, dass Burger leitender Christoph 17-Pilot in Kempten wurde. Dass er demnächst in Kempten seinen letzten Rettungsflug macht, hat einen einfachen Grund: Ab 60 Jahren dürfen Rettungsdienst-Piloten nicht mehr alleine im Cockpit sitzen. Und dann sind es ohnehin nur noch einige Monate bis zur Pensionierung.

Was macht ein Pilot im Ruhestand? Burger will nach eigenen Worten nicht mehr fliegen, sondern sich öfters aufs Mountainbike setzen. Er sei froh, dass immer alles gut gegangen ist, er nie einen Unfall gehabt habe, sagt er. 3000 Gebirgseinsätze seien wirklich genug. 'Man muss das Schicksal nicht herausfordern.'

Zwischen Hoffen und Bangen

Die Rettungsfliegerei ist ein Job zwischen Hoffen und Bangen, eine tägliche Konfrontation mit Leben und Tod. 'Am Ende überwiegt das Positive', bilanziert Burger. Bei 90 Prozent aller Einsätze habe man helfen können.

Ein Einsatz, den Burger nie vergessen wird, war am 26. Dezember 1989. Da starteten Burger und Rettungsassistent Christoph Hemmann zu einem nächtlichen Lawineneinsatz am Hochvogel. Doch eine verschüttete Skitourengeherin wurde nur noch tot geborgen.

Nur zwei Tage später starben bei einem schweren Lawinenunglück am Hohen Licht in den Oberstdorfer Bergen vier Tourengeher. Der schwärzeste Tag in der 36-jährigen Geschichte der Hubschrauberrettung im Allgäu war der 10. Februar 1992. Gegen Mittag stürzte die Maschine auf dem Weg zu einem Einsatz bei Balderschwang ab, nachdem sie in das Seil einer Materialseilbahn geraten war.

Der Pilot starb, der Notarzt und der Rettungsassistent wurden schwer verletzt. Eine Stunde nach dem Unglück kam Burger, der an diesem Tag frei hatte, zufällig zum Hangar. Da erfuhr er von dem Drama. Geschockt sei die ganze Mannschaft gewesen, erinnert er sich. Doch man sei sich einig gewesen: Es muss weitergehen. Knapp zwei Stunden nach dem Absturz wurde die Luftrettung im Allgäu wieder aufgenommen.

In einigen Tagen, am 13. Oktober, wird Burger zum letzten Mal auf dem Hangar in Durach bei Kempten landen. Dann werden die Kollegen mit ihm feiern und anstoßen: Auf fast 40 Jahre als Rettungshubschrauberpilot bei der Fliegerstaffel Süd, davon 36 Jahre in Kempten.

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