Memmingen
Der Chef «juckt» nicht in den Bach

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Eine feierliche Stimmung breitet sich aus, wenn die Rufe der Fischer vorerst verstummt sind und alles auf den großen Augenblick wartet. Dann ein Böllerschuss - und lautes Geschrei zerreißt wieder die Stille. «Man muss das mitgemacht haben», sagt Heinz Janda. In eineinhalb Wochen ist wieder Fischertag - dann «jucken» um Punkt 8 Uhr über 1000 Männer in den Stadtbach. Janda aber wird diesmal nicht dabei sein.

Der 57-Jährige steht derzeit an der Spitze des Fischertagsvereins, auch wenn er nur der zweite Vorsitzende ist. Bis ein Nachfolger für den ehemaligen Vereinschef Dieter Zinth gefunden ist, gilt diese Regelung. Er gehe heuer nicht auf die Jagd nach der schwersten Forelle, weil der Zeitdruck zu groß sei, sagt Janda. Bereits um 9 Uhr findet ein Empfang für geladene Gäste statt, da muss er «gebürstet und gebügelt» im Rathaus stehen. Zudem gibt es zwischen dem Wiegen der Fische und dem Krönungsfrühschoppen noch weitere Pflichten: Mit dem Fischerkönig Kontakt aufnehmen, sich ein paar persönliche Daten sagen lassen, einen Beinamen für den neuen Monarchen festlegen. Janda gehört der Kommission des Fischertagsvereins an, die sich um all das kümmert.

«Noch keine Ergebnisse»

Bei der Delegiertenversammlung im März 2010 soll ein neuer erster Vorsitzender gewählt werden, dann will Janda wieder ins zweite Glied zurücktreten. Der aktuelle Stand bei der Suche nach einem Vereinschef: «Wir führen Gespräche, haben aber noch keine Ergebnisse.» Immer wieder hat es Diskussionen darüber gegeben, ob ein so großer Verein nicht einen hauptamtlichen Geschäftsführer haben sollte. Für die Wallenstein-Festspiele wäre das eine gute Lösung, meint Janda. «Aber wer macht einen solchen Job für ein halbes Jahr?»

Der traditionelle Memminger Fischertag hat einen Vorboten bekommen, der sich beim Publikum größter Beliebtheit erfreut. Am Freitagabend ziehen die Massen in die Innenstadt, wo Musikgruppen spielen und reichlich Kulinarisches angeboten wird. Das Treiben, das mit dem traditionellen Fest nichts zu tun hat, beäugt manches Mitglied des Memminger Fischertagsvereins mit Argwohn.

«Die Veranstaltung ist gut für die Memminger Bevölkerung», sagt Janda, aber sie werfe auch ein Problem auf. Wenn bis in den frühen Morgen gefeiert werde, sei die Gefahr größer, dass ein Fischer betrunken in den Bach jucken will. «Wenn sich jemand auffällig benimmt, kann es passieren, dass wir ihm die Fischerkarte entziehen. Das ist schon vorgekommen», sagt Janda. Seit der Tierschutz-Diskussion (siehe eigener Artikel) werde darauf ein noch größeres Augenmerk gelegt.

«Reine Glückssache»

Bleibt noch die Frage, ob der aktuelle Chef des Fischertagsvereins einen Tipp parat hat, wie man Fischerkönig werden kann. Doch da muss Janda passen: «Das ist wie ein Lotteriespiel, reine Glückssache.» Er selbst habe in 25 Jahren noch nie einen Fisch gefangen, bei dem es sich gelohnt hätte, an die Waage zu gehen.

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