Kempten
Der Charme des nicht ganz Perfekten

Vor sieben Jahren kehrte Florence Bühr vom warmen Teneriffa ins winterliche Allgäu zurück und hatte im Gepäck etliche belichtete Filme. Bald entwickelte sich in ihrem Kopf eine sehnsüchtige Erinnerung an die Wärme und das Licht der Ferne. «Der Ausschnitt meiner Kleinbildfotos war mir zu eng; ich wollte mehr Weitwinkel. Denn ein weiterer Winkel ist unserem Sehen ähnlicher», sagt sie. Also fing sie an, ihre Fotos aneinanderzureihen. «Dass das Bild am Ende nicht genau der Wirklichkeit entsprach, war mir egal. Mein Ziel war es die Stimmung dieser Orte festzuhalten.»

Jetzt stellt die 30-jährige Künstlerin, die in München und in Biarritz (französische Atlantikküste) lebt, ihre Arbeiten in der Kunsthalle Kempten aus. Sie bestreitet die diesjährige Debütantenausstellung des Berufsverbands Bildender Künstler (BBK) Schwaben-Süd.

29 großformatige Panorama-Fotomontagen sind unter dem Titel «Mindscapes» zu sehen. «Das sind Montagen, die ich zusammenbaue, so wie das Gedächtnis Bilder in unserem Kopf zusammenbaut», erklärte sie bei der Eröffnung. Kemptens Oberbürgermeister Dr. Ulrich Netzer, der sich vorab mit den Bildern auseinandergesetzt hatte, sagte.

«Sie werden meist erst auf den zweiten Blick feststellen, dass da irgendetwas nicht der Realität entsprechen kann; und gerade das kann Lust zur intensiveren weiteren Betrachtung und Beschäftigung machen, eine Lust, die eine reale Szenerie in der Regel nicht auslösen kann.»

Die Fotos nimmt Florence Bühr mit einer Hasselblad-Mittelformat-Kamera auf Negativfilm auf. Dann scannt sie die Bilder ein und montiert sie am Computer-Bildschirm. Es sind meistens zwei bis vier Einzelteile. «Anfangs wollte ich die Bilder perfekt machen, aber dann bemerkte ich, dass es für den Betrachter viel interessanter ist, wenn er Fehler entdecken kann», sagt Bühr. «In einer Zeit der digitalen Perfektion hat das nicht ganz Perfekte für mich einen gewissen Charme.

». Die Montagen zeigen Motive aus Argentinien, Brasilien, Chile, Kenia, Marokko, Portugal, Uruguay, dem Baskenland, Lanzarote und Teneriffa - alles Orte, die sie fasziniert haben.

Bühr, deren Werke bereits bei der Kunstausstellung in Kempten und bei der Großen Schwäbischen Kunstausstellung in Augsburg zu sehen waren, hat die Erfahrung gemacht, dass ihre Stimmungen manchmal auf den Besucher «weitertransportiert» werden. «Wenn ein Betrachter durch ein Strandbild von Portugal an einen Strand auf Bali erinnert wird, würde ich sagen, dass mein Bild der Auslöser für seine Erinnerung war, weil beide Orte etwas Ähnliches hatten, das gleiche Licht vielleicht, und in Verbindung damit womöglich ein ähnliches Gefühl von Glück und Freiheit.»

Die Ausstellung in der Kunsthalle Kempten läuft bis 18. Oktober (geöffnet Mittwoch bis Freitag von 15 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr.

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