Kaufbeuren
Der Boden ist versalzen

Bereits beschlossene Sache ist der Bau eines Kreisverkehrs im Bereich Kemptener/Kemnater Straße (wir berichteten). Dort gibt es bekanntlich wegen der Zufahrt zu den Kaufbeurer Kliniken und Marienschulen reichlich Stau. Zugleich soll auch die Kemnater Straße saniert werden. Doch Umweltvorschriften haben dem Bauausschuss in der jüngsten Sitzung die Suppe versalzen. Eine Geologin fand nämlich bei Proben heraus, dass der Boden in diesem Bereich «chloridverseucht» ist, wie Tiefbauamtsleiter Ulrich Hofmair ausführte. Er stieß zunächst auf fragende Gesichter.

Doch tatsächlich: Der Untergrund hat im Laufe zahlreicher Winter über das Pflaster der Kemnater Straße offensichtlich zu viel Streusalz abbekommen - und gilt damit nach aktuellen Richtlinien als kontaminiert. Und das treibt die Kosten in die Höhe. 312000 Euro zusätzliche Kosten (im Bereich Kreisverkehr) und 91000 Euro (im Bereich Kemnater Straße) unter anderem für Entsorgung standen zunächst im Raum. «Ich beneide jeden meiner Amtsvorgänger, der noch eine Straße bauen konnte - ohne irgendwelche Gutachten», schimpfte Oberbürgermeister Stefan Bosse. «Das geht mir einfach nicht in den Kopf. Natriumchlorid, also Kochsalz, ist für mich kein verseuchtes Material», pflichtete ihm Zweiter Bürgermeister Gerhard Bucher (CSU) bei. Wolfgang Hawel von den Grünen hingegen warnte vor den Langzeitfolgen übermäßigen Salzens.

Der Untergrund muss laut Hofmair zur Entsorgung auf eine Deponie gebracht oder aber so verbaut werden, dass er unter eine Asphaltdecke kommt. In der Zwischenzeit muss er zudem so gelagert werden, dass Niederschlag das Salz nicht herausspülen kann.

Erhebliche Mehrkosten von über 400000 Euro würden aber das auf eigentlich 1,4 Millionen taxierte Projekt (Baukosten plus Grunderwerbe) in den beiden Straßen gefährden. Die Verwaltung hatte allerdings in Zusammenarbeit mit Planer Bertram Mooser ihre Hausaufgaben gemacht und überlegt, wie sich die Sache doch noch retten lässt. Sie stellte das Gutachten der Geologin in Frage. Bei einer erneuten Bewertung kam die Geologin zu der Erkenntnis, dass doch nicht so viel Areal kontaminiert ist, wie zunächst gedacht.

Belastetes Material könne zum Beispiel beim Ausbau des Reifträgerweges unter die geforderte Asphaltdecke befördert werden (beim Kreisel geht das aus technischen Gründen - fehlende Frostsicherheit - nicht mehr).

Allerdings ergaben Proben, dass im Boden der Kemnater Straße eine schwerwiegendere Kontamination zu finden sei: (auch krebserregende) Polyzyklische Aromatisierte Kohlenwasserstoffe (PAK). Diese finden sich zum Beispiel dort, wo früher Teer im Straßenbau verwendet wurde. Teerhaltiger Asphalt ist deshalb seit 40 Jahren verboten. Dieses Material in der Kemnater Straße muss laut Bertram Mooser auf einer Deponie entsorgt werden. Von den 400000 Euro befürchteten Mehrkosten durch Kontamination verbleiben laut Mooser allerdings 160000 Euro, um die die Stadt nicht herumkommt.

Das Gremium beschloss, diese Mehrkosten zum Beispiel durch den Verzicht auf den Bau eines Fahrradweges von den Marienschulen bergab bis zur Einmündung Kemptener Straße zu erreichen. Mit dem Arbeitskreis Verkehr Kaufbeuren und dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) Kaufbeuren, zwei durchaus kritischen Gruppierungen, habe man schon gesprochen. Der Konsens: Kein Radlweg, aber bergab für Autos nur Tempo 30. Dann seien Räder und Kfz etwa gleich schnell unterwegs, Autofahrer dürften Drahteselfahrer nicht überholen, was die Sicherheit erhöhe.

Außerdem wurde beschlossen, die Einfahrtsituation zum Spielzeugmarkt Rofu umzugestalten, um ebenfalls Kosten zu sparen. Per Saldo liegen die Kosten für das Bauvorhaben wieder in dem schon genehmigten Rahmen von insgesamt 1,4 Millionen Euro.

Den Kostensparmaßnahmen stimmte der Ausschuss zu.

Die Bauarbeiten sollen laut Hofmair im Frühjahr beginnen und bis Jahresende laufen. In der gleichen Zeit werde auch die Querung beim geplanten Modemarkt Röther gebaut. Bürgermeister Bucher regte auch an, den Verkehr aus Richtung Kemnat von der Kemnater Straße übergangsweise auf einen Weg westlich des Internats in Richtung Sophie-von-La-Roche-Straße zu leiten. Das will die Verwaltung prüfen.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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