Memmingen | Von andreas Schöwe
Der Affe fällt nicht weit vom Stamm

Ein Männlein steht im Walde, besser gesagt, auf der Bühne: einsam, alleine, in Jeans, das blauweiße Nadelstreifenhemd leger über die Hose gezogen. Ohne Tisch und Requisiten (mit Ausnahme eines «Gewebebands von Tesa» - aber dazu später mehr). Dennoch: Dem Kabarettisten Günter Grünwald gelingt es mit seiner charismatischen Präsenz von der ersten Sekunde an, die große Bühne in der restlos ausverkauften Stadthalle auszufüllen und das Publikum mit seinen Ansichten über bewegende Fragen des Alltags zu fesseln.

Saufen wie die Bürstenbinder

Natürlich dürfen dabei der Generationenkonflikt und die Handy-Sucht jüngerer Zeitgenossen nicht fehlen: «Das ist unsere Jugend: Saufen wie die Bürstenbinder und ständig gegenseitig mit dem Handy fotografieren. Wir waren damals anders - wir haben das Fotografieren weggelassen!», ist Grünwalds Sichtweise dazu. Und: «Der Affe fällt nicht weit vom Stamm »

Die Übergänge sind fließend. Zwanglos wird der Bogen gespannt von der Etikette beim Flirten («Es klingt banal, aber nie zu früh furzen»), über Potenzstörungen («Im Puff hauts immer hin, nur bei dir klappts nie») bis hin zur Notwendigkeit, Zivilcourage zu zeigen: «Da muss man auch mal helfen, aus der Masse herauszutreten - und sagen: Lasst mich wieder rein!» Schon sind wir in der Abteilung Politik angelangt.

Hier kommt besagtes Gewebeband zur Anwendung, als sich Grünwald in einer Hitlerparodie wundert, dass es neben herausragenden Wissenschaftlern auf der einen auf der anderen Seite auch «so viele rechte Komplett-Einzeller» gibt.

Melkmaschine und Religion

Apropos Wissenschaft: «Die Melkmaschine wurde 1924 von einem Allgäuer Bauern erfunden. Zehn Jahre später fand man heraus: Die könnte man doch auch für Kühe nehmen!», weiß Grünwald. Zwischendurch meditiert der 52-jährige Ingolstädter über Religiöses («Auch ich hatte eine Marienerscheinung.

Na gut, da war eine Menge Kirschwasser mit im Spiel ») oder Triviales wie die Vor- und Nachteile einer Katzenklappe: «Da kann nicht nur die eigene Katze raus, wann sie will, da können auch fremde Katzen, Hunde und die Zeugen Jehovas rein in die gute Stube».

Nur zum Schluss hin droht die von treffsicherem Sarkasmus geprägte Gesellschafts-Satire von Klamauk erschlagen zu werden - etwa als Grünwald von einer selbst vorgenommenen, spontanen Herzoperation eines Zuschauers, der Gehhilfe seiner Oma oder einer 48 Kilometer langen Showtreppe erzählt. Doch dank seiner jovial-bajuwarischen Erzählweise nimmt ihm diese Albernheiten niemand übel.

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