Grünenbach
Der abwesende Blick des Messias

Die Fastenzeit steht für Christen im Zeichen der Vorbereitung auf Ostern. Doch vor der Auferstehung stehen Leiden und Tod Jesu. In 14 Stationen beschreiben Bildnisse in Kirchen die Passion - von der Verurteilung durch Pilatus bis zur Grablegung - und laden Gläubige zu Gebet und Meditation ein. In der Grünenbacher Pfarrkirche St. Ottmar begegnet dem Betrachter ein Jesus in farbigen Gewändern. Die Farbenpracht der Halbreliefs scheint einen Widerspruch zu bilden zum Leidensweg Christi. Das Martyrium freilich lässt der Künstler nicht aus, er stellt es im Gesichtsausdruck Jesu dar.

Der vom Bildhauer Peter Metz geschaffene Kreuzweg in Grünenbach ist nicht leicht zugänglich. Vor den Bildern stehen die Kirchenbänke, und so ist es recht umständlich, die einzelnen Stationen aus der Nähe zu betrachten. Dennoch lohnt ein Blick auf die Details. Vor allem die Mimik der Figuren verdeutlicht, wie der Bildhauer das Leiden Jesu interpretiert hat.

Dies wird bereits bei der ersten Station deutlich. Der Messias blickt abwesend in die Ferne, während Pilatus seine Hände «in Unschuld» wäscht. Jesus scheint die drohenden Leiden schon zu ahnen. Im weiteren Verlauf der Stationen verliert sich die Stadt Jerusalem zunehmend im Hintergrund. Der Berg Golgatha mit bereits aufgerichteten Kreuzen wird immer dominanter in den Bildern.

Die Angst der Veronika

Ein Element der Hoffnung beinhaltet auf dem Kreuzweg die Begegnung mit Veronika. Wie ein Versprechen der Linderung reicht Veronika das Schweißtuch Jesus, der sichtlich geschwächt danach greift. Der verzweifelte Blick Veronikas beinhaltet Angst und tiefes Mitleid.

Der Künstler Peter Metz unterscheidet bei der Farbgebung in seinen Reliefs Freund und Feind: Jesus und seine Anhänger gestaltet er hell und kontrastreich. Dunkel gekleidet dagegen sind die boshaft blickenden Menschen, die den Kreuzträger erbarmungslos vorwärtstreiben und diejenigen, die am Wegrand stehen und wegschauen.

Einen fast schon entschlossenen Blick hat der Jesus im Grünenbacher Kreuzweg bei der X. Station (Jesus wird seiner Kleider beraubt). Trotz der Demütigungen, die ihm zugefügt werden, scheint er in seinen letzten schweren Stunden doch noch Zuversicht zu spüren. Aber schon im nächsten Bild, in dem zwei geschäftsmäßig hantierende Männer Nägel einschlagen, verschwindet dieser Blick wieder. Blass wirkt der leblose Körper am Kreuz. Entmutigend das Abnehmen vom Kreuz und das zu Grabe Tragen.

Hoffnung gibt allein das auf allen Bildern goldfarbene Firmament. Es lässt erahnen, dass nach irdischem Leiden und Tod doch die Auferstehung und somit das ewige Leben folgt.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

4 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by Gogol Publishing 2002-2019