Oberstdorf
«Den Wert der kleinen Schule wiederentdecken»

Die Diskussion war rege, das Wetter schön und die Berge boten eine eindrucksvolle Kulisse beim «Bildungsgipfel» der CSU am Samstag auf dem Fellhorn. Beste Voraussetzungen für den prominenten Gast, der den Weg nach Oberstdorf gefunden hatte: Bundesbildungsministerin Annette Schavan (die auch stellvertretende Vorsitzende der CDU ist) war der Einladung ihres Allgäuer Kollegen Gerd Müller, Bundestagsabgeordneter und Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, gefolgt und sprach über Bildungspolitik.

Die Naturkulisse auf dem Fellhorn nahm die Ministerin zum Anlass, auf Nachhaltigkeit zu drängen: Hier oben werde besonders deutlich, welche Verantwortung die Menschen heute im Umgang mit Ressourcen tragen. Deshalb müsse sich das Thema Nachhaltigkeit wie ein roter Faden durch Erziehung und Bildung ziehen. Dabei, mahnte Schavan, gelte der Leitspruch: «Bildung braucht Vorbild». Über das Verhalten von Erwachsenen könnten Kinder erkennen, was wichtig ist. Auch Kontinuität sei unabdingbar: «Wir müssen Wandel zulassen, dürfen aber nicht jeder Mode hinterherrennen», sagte Schavan.

Dabei sei es wichtig, dass gerade jetzt in der Bildungspolitik ein «Schub kommt» - denn wegen des Bevölkerungsrückgangs müsse man sich überlegen, wie man künftig möglichst viele Bildungsorte für die Kinder erhält. Die Ministerin sieht dabei nur einen Weg: «Wir müssen den Wert der kleinen Schule wiederentdecken». Das heißt konkret: keine strikte Trennung nach Jahrgängen, sondern gemischte Klassen. Schavan: «Gut vorbereitet wäre das ein Segen für den ländlichen Raum.» Das bestätigte ein Zuhörer: In seiner Generation habe man gute Erfahrungen mit gemischten Klassen gemacht, sagte der Senior.

Ein zentrales Thema beim «Bildungsgipfel» war auch die Frage nach Einheitlichkeit von Ausbildung. Es könne nicht sein, dass es Kindern so schwer gemacht wird, wenn sie von einem Bundesland in ein anderes umziehen, sagte eine Zuhörerin. Schavan betonte, dass ihr die Vergleichbarkeit von Bildungsabschlüssen - auch international - ein Anliegen sei. Gerd Müller stieß ins gleiche Horn: «Wir sind dafür, dass wir deutschlandweit vergleichbare Abiturprüfungen haben», sagte er. Auch die Lehrerausbildung müsse angeglichen werden. Schavan wagte eine Prognose: Vergleichbare Abschlüsse innerhalb Deutschlands - bis es das gibt, dauere es «keine zehn Jahre mehr».

Zur Sprache kamen aber nicht nur bundespolitische Themen. Das Schlusswort in der Diskussion hatte die Oberstdorferin Monika Sehrwind, die kritisierte, dass die Rahmenbedingungen auch in Oberstdorf nicht gut seien. Ihre drei Kinder hätten etwa mit viel zu alten Schulbüchern und ausfallendem Unterricht zu kämpfen.

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