Bad Hindelang
Den wahren Wert erkennen

Der Bilderrahmen, an dem Christoph Waibel gerade arbeitet, ist 100 Jahre alt. Er wurde damals mit Samenkörnern besetzt, die dann vergoldet wurden. Um solch ein Objekt fachgerecht restaurieren zu können, verwendet der Experte aus Bad Hindelang die ursprünglichen Materialien, also wieder eben solche Samenkörner. Gelernt hat er das auch bei einem Stipendium für Baudenkmalpflege, das ihn für drei Monate ins Fortbildungs-Exil nach Italien schickte.

Auf die Herstellung historischer Handpolituren hat er sich mittlerweile spezialisiert. Dazu braucht es nicht viele Maschinen und Hilfsmittel. Denn «die hatten die Handwerker damals auch nicht» sagt Christoph Waibel. Jedes Original erzählt ihm auf diese Art und Weise seine Geschichte. Bei manchen Objekten steht der ideelle Wert im Vordergrund, während wahre Kostbarkeiten auf Dachböden schlummern. Den waren Wert zu erkennen sei für Laien nicht einfach, weil echt Historisches oft nicht besonderes spektakulär aussieht. Der Ostrachtaler ist Experte in Sachen Restauration und Denkmalpflege. Nach zwei Lehren, als Schreiner und als Zimmerer, besuchte er die Denkmalakademie Görlitz und ließ sich dort zum geprüften Fachhandwerker und Restaurator ausbilden. Und die Meisterprüfung als Schreiner setzte er gleich noch mit drauf.

Sprung in die Selbständigkeit

Vor knapp einem Jahr wagte Christoph Waibel den Sprung in die Selbständigkeit und gründete seine kleine Restaurierungswerkstatt für Möbel und Holzobjekte in der Hindelanger Marktstraße. Als dann aber im April dieses Jahres überraschend die Zusage über einen Stipendiumsplatz für Baudenkmalpflege ins Haus flatterte, sperrte er die Werkstatt kurzerhand zu und zog für drei Monate nach Italien.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung vergibt für Begabte im Handwerk deutschlandweit nur fünf dieser Plätze pro Gewerke jährlich. Diese werden zu einem europaweiten Treffen mit hochkarätigen Dozenten geschickt, um alte Handwerkstechniken und -verfahren neu kennenzulernen, auszutauschen und zu vertiefen.

Zusammen mit 23 anderen Restauratoren aus ganz Europa lernte Waibel in dieser Zeit die fachgerechte und oft auch Gewerke übergreifende Wiederherstellung historischer Möbel wie Tische, Stühle, aber auch Türen, Figuren und Bilderrahmen bis hin zu einer alte Kutsche aus einem Schloss. «Das war eine schöne Zeit», schwärmt Christoph Waibel «und so manch alte Technik kann auf diese Weise europaweit erhalten werden». Denn das Restaurieren von alten Gegenständen ist für Christoph Waibel die wahre Pflege von Traditionen und so werden ihm auch weiterhin die alten Sachen ihre ureigensten Geschichten anvertrauen.

Christoph Waibel hat nach bestandener Prüfung am europäischen Zentrum für Denkmalpflege seine Restaurierungswerkstatt in Bad Hindelang wieder geöffnet. Er konserviert, pflegt, ergänzt und repariert nicht nur, sondern dokumentiert, berät und verkauft auch alte Möbel und Holzobjekte.

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