Memmingen / Unterallgäu
«Den Mut haben, sich zu wehren»

«Keine Angst haben, sich von niemandem unter Druck setzen lassen und den Mut haben, sich zu wehren.» Für Elisabeth Geiger, die Leiterin der Memminger Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Bayern, sind das die Kardinaltugenden eines mündigen Konsumenten. Sie zog nun Bilanz über ihre Arbeit des vergangenen Jahres: «2008 war für die Verbraucher ein nervenaufreibendes Jahr.»

Rund 9000 Bürger aus einem weiten Umkreis haben im vergangenen Jahr in Memmingen die Informations- und Beratungsangebote der Verbraucherzentrale in Anspruch genommen und konkrete Tipps und Ratschläge bekommen (siehe auch Infokasten). Die Hilfe suchenden Verbraucher schlugen sich laut Geiger vor allem mit «Rechnungen dubioser Internetanbieter, weiter steigenden Energiepreisen, den Auswirkungen der Finanzmarktkrise und Datenmissbrauch» herum. Zahlreiche Anfragen habe es auch zu Versicherungen aller Art gegeben.

Insbesondere im weltweiten Datennetz kämen «unseriöse Anbieter», so Geiger, immer wieder auf neue Ideen, «um den Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen». Sie schüttelt dabei den Kopf: einerseits über die Dreistigkeit zahlreicher «Rattenfänger»; andererseits über die Einfältigkeit so mancher Zeitgenossen, denen man wohl alles aufschwatzen könnte.

Elisabeth Geiger und ihre Mitstreiter richten seit mehreren Jahren ihr Hauptaugenmerk auf den Bereich Telekommunikation: «Zwei Drittel aller Fälle, die wir bearbeiten, haben damit zu tun», rechnet Geiger vor. Mit Anbietern aus diesem Sektor gebe es «ständig Ärger». Die Verbraucherschützerin nennt Beispiele für Abzocke:

l Bei Verträgen für die schnelle Internetverbindung DSL würden immer wieder Versprechungen nicht eingehalten, sodass etwa die Verbindung viel zu langsam sei oder gleich überhaupt nicht richtig funktioniere.

l Bei Handyverträgen gerieten häufig die Kosten «außer Rand und Band», so Geiger.

l Skrupellose Call-Center versuchten arglose, meist ältere Bürger am Telefon übers Ohr zu hauen.

«Widerspruch einlegen»

In diesen wie in anderen Bereichen sollte man sich nichts gefallen lassen, betont Geiger, und sich trauen, Widerspruch einzulegen. Wer beispielsweise die Höhe der Telefonrechnung nicht nachvollziehen könne, sollte sofort per Einschreiben seine Einwendungen schriftlich vortragen und Beweise wie den Einzelentgeltnachweis und das Protokoll der technischen Prüfung verlangen.

Immer wieder kämen auch Eltern zu ihr, deren Kinder im Internet teure Einkäufe getätigt hätten. Auch hier macht Elisabeth Geiger Mut: «Minderjährige dürfen ohne die ausdrückliche Zustimmung ihrer Eltern nämlich gar keine Verträge abschließen.»

«Wir haben bisher in 99 Prozent aller Fälle geraten: Nicht bezahlen, sondern Einspruch einlegen», sagt Elisabeth Geiger entschlossen.

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