Hirschzell
Den Kontinent Afrika erleben

Wenn man Kinder an der Grundschule Hirschzell fragt, was sie über Afrika wissen, klingen die Antworten ziemlich ähnlich. Den Kontinent kennen sie bislang nur aus den Nachrichten und darin werde immer über Armut und Krieg berichtet, so die meisten Stimmen.

Doch die Mitglieder der Afrika-AG wollen sich damit nicht mehr zufriedengeben. Zusammen mit ihrer Lehrerin Marianne Kaulfuß treffen sich zwölf Mädchen und Buben seit Beginn des Schuljahres einmal in der Woche für zwei Stunden, um Afrika zu erforschen und mit den Sinnen zu erfahren. Sie haben zum Beispiel Ketten gefädelt, um etwas über die Schmuckvorlieben der Afrikaner zu erfahren. Und als Kaulfuß nach den Weihnachtsferien von einem Besuch in Benin zurückkam und eine Ananas dabei hatte, schmeckten die Kinder den Unterschied beim Obst: «Die Frucht war viel süßer als die, die man bei uns kaufen kann», erinnert sich der achtjährige Robin.

Hintergrund für die Gründung der Afrika-AG ist eine Partnerschaft, die die Grundschule Hirschzell seit Beginn des Schuljahres mit einer Schule in der größten Stadt Benins, Cotonou, pflegt. Die Partnerschule «Ecole primaire publique» unterrichtet laut Kaulfuß rund 900 Kinder in 13 Klassen, was eine Klassenstärke von 60 bis 90 Kindern zur Folge hat. Und obwohl die Regierung von Benin sich dafür einsetzt, jedem Kind Schulbildung zu ermöglichen, fehlt es an grundlegenden Materialien.

Viele Geschenke im Gepäck

Um so mehr freuten sich Schüler, Lehrer und Direktoren über die Farbstifte, Kugelschreiber, Mäppchen, aber auch Kuscheltiere, Süßigkeiten und Bälle, die Marianne Kaulfuß mitbrachte. «Ich hatte 23 Kilogramm extra Gepäck dabei, voll mit Geschenken.»

Aber auch 300 Euro konnte Kaulfuß der Schule überreichen. Das Geld hatten die Kinder ihrer Afrika-AG beim Weihnachtsbasar eingenommen, indem sie ihre selbst gebastelten Ketten, Steine und Bilder verkauften. Im Gegenzug dazu hat Kaulfuß Steckbriefe und selbst gebaute Spielzeuge der Kinder aus Cotonou nach Hirschzell mitgebracht. In einem Schaukasten liegen nun kleine Autos aus alten Plastikkanistern mit Reifen aus Flaschendeckeln.

«Obwohl die Landessprache in Benin Französisch ist, denke ich trotzdem, dass diese Partnerschaft eine tolle Gelegenheit ist, mit Vorurteilen aufzuräumen und gemeinsame Interessen zu entwickeln», so Kaulfuß.

Im Moment fertigen die Kinder in Hirschzell sogenannte Regenmacher, demnächst wird etwas Afrikanisches gekocht. Und einige der Sieben- bis Zehnjährigen wollen den Kontinent auf jeden Fall einmal bereisen. «Ich bin in der AG, weil ich meinen Eltern auch viel über Afrika erzählen will, damit wir da mal in den Urlaub hinfahren», erklärt der siebenjährige Niklas.

Gegenbesuch im Sommer

Im Sommer dürfen sich die Zweit- und Viertklässler der AG erst einmal über den Besuch einer Delegation aus Benin freuen. Und auch Kaulfuß plant bereits ihren nächsten Aufenthalt in Afrika. «Die Schule dort hat sich eine elektrische Schreibmaschine und einen Drucker gewünscht. Für die Kinder möchte ich Arbeitshefte mitbringen, denn im Moment schreiben sie noch auf kleinen Tafeln.»

Die Lehrerin ist zuversichtlich, weiter Hilfe leisten zu können. Auch Rektor Gerald Reglin, der von dem Projekt begeistert ist, hat Unterstützung für das Sammeln von Sach- und Geldspenden zugesichert.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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