Marktoberdorf
Den Handwerkern folgen Ruhe und innere Einkehr

Noch regieren die Handwerker, bohren und ziehen Kabel. Ein Gerüst reicht fast bis zur Decke. Auf dem Fußboden liegen Stoffrollen. Allenfalls die Bänke und die verpackte Orgel auf der Empore lassen erahnen, dass es sich um ein Gotteshaus handelt. Bis Sonntag ist jede Menge zu tun. Denn an diesem Tag will die evangelische Johannes-Gemeinde in Marktoberdorf von ihrem «Übergangsquartier» Frauenkapelle zurückkehren in ihre Kirche und die Vollendung der Umgestaltung feiern.

Das neue dreieinhalb Meter hohe Kreuz aus Messing fehlt ebenso wie der aus verschiedenen Hölzern in Schichten gefertigte Altar, das ebenfalls aus Holz gestaltete Ambo und der Taufstein. Und doch lässt die Kirche etwas von dem erahnen, wie sie sich am Festtag darstellen soll. Allein die freundliche Farbe in der Konche hat etwas Erhabenes.

Fresko von Adolf Kleemann konserviert

Darunter befindet sich das Fresko von Adolf Kleemann, das bisher die Kirche dominierte. Es wurde aufwendig konserviert. «Wir wollten es bewahren, nicht zerstören», erklärt Pfarrer Harald Deininger. Wie bei der ganzen Umgestaltung sei es auch in diesem Fall nicht darum gegangen, Altes zu verwerfen, sondern die Kirche den veränderten Gegebenheiten anzupassen. Gottesdienst werde heutzutage nun einmal anders gefeiert als noch vor über 50 Jahren, als das Haus entstand.

Vorfreude überdeckt den Abschiedsschmerz

Natürlich, gesteht Deininger, sei die Veränderung mit Abschiedsschmerz verbunden. Bei ihm, der zahlreiche Gottesdienste feierte, ebenso wie bei den Gemeindegliedern, die die Kirche mit errichteten. «Aber inzwischen überwiegt bei allen die Vorfreude», die Vorfreude auf das, was Kirchenvorstand, landeskirchliches Bauamt und vor allem die Künstler Susanna und Bernhard Lutzenberger aus Bad Wörishofen erarbeiteten. Den ersten Ideen Ende 2005 folgte ein langer Findungsprozess, der im vergangenen Jahr in einen Wettbewerb mündete.

«Es ist ein stimmiger Entwurf», urteilt der Pfarrer, «und war dem Raum am angemessensten. Er bringt sehr viel Ruhe und Sammlung hinein.» Schon der mit einem Eichenboden verkleidete Altarraum bekommt ganz andere Dimensionen. Die ersten beiden Sitzreihen wurden dafür entfernt, weshalb er weiter in die Kirche ragt. Zudem wurde er um die Höhe einer Treppenstufe abgesenkt.

Neuer Altar steht künftig in der Mitte

Weil der Altar in die Mitte rückt, könnten sich bei einem Abendmahlsgottesdienst die Gläubigen um ihn herum platzieren, was wiederum die Gemeinsamkeit unterstreiche. Musiker, die Gottesdienste begleiten, finden dort nun ebenso Platz wie die kleinen Kinder beim Zwergerlgottesdienst.

Die Kosten, ursprünglich auf gut 80000 Euro taxiert, belaufen sich laut Deiniger wegen verschiedener Komplikationen, wie sie eigentlich immer beim Bau auftreten, auf nunmehr 100000 Euro. Er ist deshalb froh über jede Spende. Deren Stand beläuft sich auf rund 36000 Euro. Davon stammen allein 13000 aus einem Benefizlauf, den Kinder der Gemeinde unternommen hatten. Zuschüsse gibt es zudem von der Stadt und der Landeskirche. Um die noch bestehende Finanzierungslücke zu decken, sollen auch am Sonntag wieder Bausteine verkauft werden.

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