Den gordischen Knoten bei Obergünzburg zerschlagen

Obergünzburg/Kaufbeuren | fro | Im Alter von 74 Jahren können sich viele Menschen etwas anderes vorstellen, als bei Schnee oder Sonne querfeldein durch die Natur zu gehen oder manchmal gar zu kriechen. Doch der Heimatforscher Alfred Neumann blüht dann auf: Denn was er dabei entdeckt, könnte Aufschluss über die Geschichte der Römer im Allgäu geben. Nun hat der Kaufbeurer sein zweites Buch zu dem Thema veröffentlicht.

Römerlager als Ausgangspunkt

Vor vier Jahren hatte Neumann nach 400 Stunden im Gelände einen mutmaßlich anderen Verlauf der Römerstraße von Kempten nach Epfach entdeckt - insbesondere die Streckenführung zwischen Osterzell und südlich von Aitrang sei anders, als vorher angenommen. Vor rund eineinhalb Jahren wurde Neumann dann zwischen Röhrwang und Eggenthal fündig: Er nimmt an, dass dort ein etwa 4000 Quadratmeter großes Römerlager stand. Das wurde sein Ausgangspunkt für die Streckenführung der Römerstraße zwischen Kempten und Augsburg.

Fünf- bis zehnmal sei er die Straße abgelaufen und habe dabei einige Stellen gefunden, die auf einen anderen Verlauf hinweisen als bislang angenommen. 'Die schwierigste Passage war bei Obergünzburg', erzählt Neumann. Bisher wurde der Verlauf über den Nikolausberg, den ehemaligen Merkur-Tempel und dann an der Straße nach Immenthal angenommen. 'In der klaren Linienführung der Römerstraße war Obergünzburg wie ein gordischer Knoten', so Neumann.

Doch nach zehn Besuchen in dem Ort sei ihm die Zerschlagung des Knotens gelungen: Von ihm gefundene Indizien, wie ein verschütteter Hohlweg oder ein Straßendamm mit beidseitigen Gräben, rückten nun den Straßenverlauf in den Südosten Obergünzburgs.

Auch an anderen Stellen der Römerstraße hat der Heimatforscher Abweichungen festgestellt: Da habe sich ein mit Sturmholz aufgefüllter Aufgang bei Börwang oder eine aufgelassene Kiesgrube bei Baisweil als Bestandteil der Straße entpuppt. 'Für Archäologen ist die Suche eine undankbare Aufgabe, denn sie erfordert viel Zeit', meint Neumann.

Wunsch nach Ausschilderung

Doch nun hat er seine Ergebnisse auf 46 Seiten veröffentlicht: 'Römerstraße Cambodunum-Augusta Vindelicorum' heißt das Werk, in dem er seine Strecke beschreibt, mit Fotos und Zeichnungen dokumentiert sowie den Forschungsstand kurz diskutiert.

Unabhängig von der Anerkennung seiner Thesen - unter Umständen kann diese Jahre dauern - begrüßt es Neumann, wenn der Verlauf der Straße ausgeschildert würde: 'Wandern und Radwandern wird immer beliebter, dabei sollte man auch etwas über die Geschichte unserer Heimat erfahren.'

Und da sieht Neumann noch einiges, was der Entdeckung harrt: Er beschäftigt sich inzwischen trotz Problemen beim Laufen mit der Römerstraße von Günzburg nach Asch. 'Ich tue es für meine Heimat', sagt er schlicht.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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