Weicht
Den eigenen Weg gegangen

Wenn ein Musikverein ein Jubiläum feiert, dann ist es Tradition, dass dieser auch selbst aktiv an den Festlichkeiten teilnimmt. So auch in Weicht, wo der Musikverein anlässlich seines 150 jährigen Bestehens am Vorabend des Festaktes ein Kirchenkonzert gestaltete. Vorsitzender Christoph Müller betonte in seiner Begrüßung, dass man sich bewusst für ein Kirchenkonzert entschieden habe, denn die besinnliche Seite der Blasmusik komme oft zu kurz. Pfarrer Jakob Nangelimalil, der schon «auf dem Sprung» zur Vorabendmesse in Jengen war, richtete eine kurze Grußbotschaft an den Verein. «Macht weiter so mit der gleichen Begeisterung und Standkraft.»

Dynamisch verhalten begann der Verein unter Leitung seines Dirigenten Thomas Lang mit dem Bach-Choral «Bist Du bei mir». Eine warme Tongebung und ruhig fließende Achtel dominierten. In Franz Schuberts «Ave Maria», arrangiert von Altmeister Pavel Stanek, präsentierte sich der Vorsitzende auch als veritabler Gesangssolist. Durch die Platzierung des Sängers auf der Predigtkanzel entstand eine Art Stereo-Effekt. Außerdem bestand so zu keiner Zeit die Gefahr, dass die unverstärkte Stimme vom Orchester «zugedeckt» wird.

Ganz auf großen Klang setzte der Dirigent in der Volkslied-Paraphrase «Shenandoah» des Amerikaners Frank Ticheli. Hier durften die Blechbläser ihre ganzen lyrischen Qualitäten zeigen.

Geprägt von sanften dynamischen Steigerungen war der «Abendsegen» aus der Oper «Hänsel und Gretel» von Engelbert Humperdinck - eine der bekanntesten deutschsprachigen Opernszenen überhaupt. Im Programmzettel hatte man unreflektiert den Namen der internationalen Notenausgabe («Evening Prayer») übernommen und so im ersten Moment Vorurteilen wie «Dia spielat zu viel englischs Zuig» Vorschub geleistet. Gleiches geschah in der Folgenummer «Give Us Peace» (nach der alten Hymne «Dona nobis pacem» oder «Gib uns Frieden»). Robert Müller und Sebastian Unsin (Trompete) waren ein dynamisch fein abgestimmtes Trompetenduo, deren Strahl sich eindrucksvoll über dem Orchester ausbreitete.

Zum Abschluss erklang zwar keine dezidiert kirchliche Nummer, aber den Sinatra-Evergreen «I Did It My Way» kann man durchaus als Rückblick des Musikvereins auf seine Geschichte deuten und auf die eigenen Wege, die man dort manchmal gegangen sein mag. Solist Tobias Huber zeigte am Flügelhorn, dass sein Instrument auch jenseits von volkstümlicher Blasmusik wunderbar zur Geltung kommen kann.

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