Projekt
Demenz-Hilfe Allgäu schult ehrenamtliche Begleiter für Kranke

Sie hören Stimmen, ohne dass jemand spricht. Sie essen Dinge, die nicht zum Verzehr gedacht sind. Sie leiden unter Panikattacken oder laufen einfach davon: Demenzkranke. Für ihre Angehörigen werden sie zur täglichen Herausforderung.

Eine Entlastung - zumindest eine stundenweise - geben unbezahlte Demenz-Begleiter, die in betroffene Allgäuer Haushalte gehen und sich dort um die Kranken kümmern, während Angehörige Besorgungen erledigen oder eine Auszeit nehmen.

Die kostenlosen Helfer werden im Rahmen des landkreisübergreifenden Projekts 'Ehrenamtliche Demenz-Hilfe Allgäu' von Fachpersonal geschult. Gestern zogen die Projektpartner aus dem Oberallgäu, dem Ostallgäu und dem Landkreis Lindau eine erste positive Zwischenbilanz.

'Ich muss keine Werbung dafür machen', freut sich der Kaufbeurer Seniorenbeauftragte Johannes Keppeler über die Beliebtheit der Demenz-Begleiter-Kurse. Ihre Wichtigkeit betont Projektleiter Stephan Vogt, Vorsitzender des Memminger Vereins Familiengesundheit 21: 'Allein mit beruflichem Pflegepersonal wäre die Betreuung von Demenzkranken im Allgäu nicht zu leisten.'

Denn die Nachfrage nach ehrenamtlichen Begleitern boomt in Zeiten des demografischen Wandels: 'Der Bedarf steigt und steigt', meint Seniorenbeauftragte Ditrun Steinseifer-Vogel aus dem Ostallgäuer Lamerdingen.

Dennoch sei Demenz immer noch ein Tabuthema, 'über das viele nicht sprechen wollen.'

Nicht sprechen wollen Betroffene auch über familiäre Konflikte, zu denen Realitätsverlust, Aggression oder Verdrängung der Krankheit führen: 'Denn die Menschen versuchen, ihre Erkrankung zu verbergen und eine äußere Fassade aufrechtzuerhalten', sagt Altenpflegerin und Sozialmanagerin Gabi Kolitsch vom Caritasverband Kempten-Oberallgäu. 'Das führt zu Spannungen in den Familien.'

Verständnis entwickeln

Positiv bewerten die Projekt-Partner aus verschiedenen Allgäuer Hilfseinrichtungen und Institutionen die heterogene Zusammensetzung der Demenz-Begleiter-Kurse: Denn in den 40 Unterrichtsstunden, die sich über mehrere Monate ziehen, sitzen nicht nur Ehrenamtliche, sondern auch betroffene Angehörige: 'Deswegen ist das Praxis pur', meint Gudrun Rauch vom Initiativkreis 'Helfende Hände' in Obergünzburg.

'Wenn ein Betroffener erzählt, wie es ihm geht, entsteht ein ganz anderes Verständnis füreinander', sagt Sozialmanagerin Kolitsch. Verständnis für Angehörige, die Tag und Nacht unter Strom stehen, und Feingefühl für Erkrankte, die mal apathisch herumliegen, mal ziellos herumirren.

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