Demenz-Erkrankungen betreffen die ganze Familie

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Kempten | mor | Dementielle Erkrankungen sind eigentlich 'Familienerkrankungen', denn sie betreffen nicht nur den Kranken, sie belasten auch die Angehörigen. Über eine Million Menschen in Deutschland leiden an einer Demenz. Die Prognose: zwei von zehn Menschen können diese 'intellektuelle Behinderung' am eigenen Leib zu spüren bekommen. 'Demenz - was nun?' Informationen, Fragen und Antworten gab es jetzt bei einer Infoveranstaltung des Arbeitskreises 'Soziales' der Pfarrgemeinde St. Franziskus.

Der voll besetzte Saal bestätigte das Interesse an dem Thema. Die Zahl der Angehörigen, die mit dieser Erkrankung bei einem Verwandten zu tun haben, entsprach der Statistik.

Rede und Antwort standen Gabi Kolitsch und Josef Schmelcher vom Caritasverband Kempten-Oberallgäu e.V. sowie von der im Oktober 2007 gegründeten Alzheimer-Gesellschaft Allgäu Silvia Schley und Margit Wimmer. Die Moderation übernahm Dr. Johannes Huber vom Arbeitskreis 'Soziales'.

Demenzerkrankungen sind zumeist ein schleichender Prozess, wenngleich Huber in seiner Praxis auch schon mal einen rapiden Fall innerhalb von vier Wochen erlebte. Alzheimer ist eine schwere Form der Demenz. Gemeinsam mit den Fachleuten auf dem Podium meinte er: 'Alles kann helfen, Gehirn-Jogging ebenso wie homöopathische Produkte oder genügend Flüssigkeit.' Erste Anzeichen bemerke man in der Familie: die Vergesslichkeit, das Zeitgefühl fehlt, der Alltag fällt schwer oder auch die Orientierung, Lächeln oder Schlucken bereiten Mühe. 'Wenn Sie dagegen einen Namen vergessen oder nicht mehr wissen, was Sie im Keller wollten, ist das lediglich eine kurzzeitige Gedächtnisschwäche.'

Für gesetzliche Aspekte wie Vorsorgevollmacht, Betreuungs- oder Patientenverfügung und Testament gilt: 'Lieber Vorsorge treffen als Nachsorge. Das können Sie für sich im gesunden Zustand am besten entscheiden', machte Silvia Schley klar. Genauso dringend war der Rat des Gremiums: 'Nehmen Sie für Ihre dementen Angehörigen jede finanzielle Unterstützung in Anspruch, die Sie bekommen können.'

Dass die Tagesform der Demenzkranken unterschiedlich ist, sei ebenso individuell wie die Art der Erkrankung oder das Trinkbedürfnis. 'Weglaufen - da steckt keine böse Absicht dahinter. Das hat was mit der Suche nach Orientierung zu tun. Die Kranken haben nur mehr Gedächtnisinseln', informierte Gabi Kolitsch. 'Als Angehöriger müssen Sie versuchen, sich in den Kranken einzufühlen', so Josef Schmelcher. Und Margit Wimmer ergänzte, je mehr die Angehörigen über die Krankheit und Therapiemöglichkeiten wissen, desto besser geht es ihnen persönlich. Hilfreich sind für Ärzte und Pflegepersonal ein 'Erinnerungskoffer' oder ein Pflegetagebuch.

Die Pflegekasse übernimmt nach einem Jahr neben der Kurzzeitpflege auch die Kosten einer notwendigen Ersatzpflege (max. vier Wochen im Kalenderjahr). Die Aufwendungen dürfen 1432 Euro im Kalenderjahr nicht übersteigen.

Die Demenzsprechstunde findet jeweils donnerstags bei der Caritas Kempten-Oberallgäu statt. Termine unter 0831/ 960880-13. Die Sprechstunden der Alzheimer-Gesellschaft Allgäu sind dienstags von 10 bis 12 und donnerstags von 13 bis 15 Uhr. Absprache unter 0831/9606232.

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