Sonthofen / Oberallgäu
Dem Richter reißt der Geduldsfaden

«Ich weiß gar nicht, worum es geht», maulte ein junger Mann aus dem Oberallgäu vor dem Amtsgericht Sonthofen. Zwei Polizisten hatten ihn gerade auf akute gerichtliche Weisung zwangsweise daheim abgeholt und vor Richter gebracht, nachdem der Angeklagte die ordnungsgemäße Vorladung offensichtlich schwänzen wollte. Nur scheibchenweise erinnerte er sich an dies und das unter den Anklagepunkten, verbunden mit allerlei Rechtfertigungen. Betrug, Fahren ohne Führerschein und Entzug von Elektrizität - so lauteten die Bezichtigungen. Sieben Monate muss er nun ins Gefängnis, wobei Berufung gegen das Urteil möglich ist.

Auf der Anklagebank zeigte sich der mehrfach Vorbestrafte nervös. Immer wieder endeten Sätze mit der Endformel «Keine Ahnung». Dem Richter riss schon bald der Geduldsfaden. «Unerträgliches Geschwafel» habe der Angeklagte zum Besten gegeben.

Eine halbtägige höchst umständliche Flug- und Bahnreise musste eine Zeugin auf sich nehmen, damit sich die Beweislage auch bei jenen Punkten abrundete, die der Angeklagte nicht eingestehen wollte. So sahen es der Richter und die Staatsanwältin als klar erwiesen an, dass der mittellose und vom Energie-Versorger mit einer Stromsperre geschlagene Mittzwanziger zweimal gesetzeswidrig Strom aus einer leerstehenden Wohnung und aus einer Steckdose im Treppenhaus für sich abgezwackt hatte.

Zudem hatte der junge Mann laut Beweisaufnahme zweimal die gleiche Computer-Spielkonsole in einem Internet-Kaufhaus versteigert und mehrere Hundert Euro dafür kassiert. Bloß geliefert wurde nie. Das i-Tüpfelchen war eine illegale Spritztour mit einem frisierten Moped von Kempten nach München, wo eine Polizeistreife dem Ausflug ein Ende bereitete.

Zum Teil schob der junge Mann die Urheberschaft der Straftaten auf seine Ex-Freundin oder auf nicht näher benannte Kumpel. Einer von denen habe auch den Strom abgezwackt, während er bei einer Party in seiner Wohnung sturzbetrunken auf dem Sofa gelegen habe. Manche der Vorhaltungen gestand er unter dem Druck der Befragung ein. Im Schlusswort gelobte er Besserung und erbat Bewährung: «Ich weiß, dass es so nicht weitergehen kann».

Doch der Richter gab kein Pardon. «Die nächsten sieben Monate sitzen Sie ein!»

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