Dem Osterhasen auf der Spur

Von Freddy Schissler Buchenberg Ein empfindlicher Wind pfeift an diesem Vormittag durch die Bäume im Buchenberger Wald. Die Sonne steckt noch mitten im Kampf mit den dichten Wolken, und wenn man der Wettervorhersage Glauben schenken darf, dann wird sie erst am frühen Nachmittag dieses Duell gewinnen. Unser Besuch gilt an diesem Tag den Allgäuer Waldwichteln, dem einzigen Waldkindergarten in Oberallgäu und ihrem Projekt in einem Waldgebiet bei Buchenberg-Bihls.

Seit September vergangenen Jahres gibt es diesen Waldkindergarten in Buchenberg - der Nachfolger eines Projekts in Kempten, dem zuletzt der Nachwuchs fehlte. In Buchenberg wird die Idee nun fortgeführt, Kinder im Alter von drei, vier oder fünf Jahren an den Wald heranzuführen.

'Die Hege und Pflege der Natur', sagt Gerd Rapp, 'steht an oberster Stelle'. Er ist Vorsitzender des Waldkindergartens, und wenn man sich mit ihm über die Philosophie einer solchen Einrichtung unterhält, deren es in Deutschland inzwischen rund 400 gibt, wird deutlich: Der Mann macht sich schon längere Zeit intensive Gedanken um die Umwelt. 'Die Kinder, die mehrere Stunden am Tag im Wald verbringen', glaubt er, 'gehen vielleicht später mit ihrer Umwelt vorsichtiger um.'

Meggi Albrecht führt die Gruppe der Allgäuer Waldwichtel und schaut an diesem Morgen in besonders große Augen der Kinder. Der Osterhase hat seine Fußabdrücke auf dem erdigen Boden hinterlassen und natürlich auch ein paar Eier (hartgekochte und auch süße) am Wegesrand versteckt. Ein Feiertag für Kinderherzen. Dass heute ein eisiger Ostwind weht, spürt keines der Kinder. Der Osterhase ist wichtig, sonst nichts.

'Die Kinder sind sehr ausgeglichen und selbstständig', erzählt Meggi Albrecht und beteuert, dass es kaum Konflikte gebe in der Gruppe mit zwölf Buben und Mädchen. Ein Unterschied zu anderen Kindergarten-Gruppen, glauben auch Albrechts Kolleginnen Sabine Sauer und Ines Werner. Meggi Albrecht hat Vergleichsmöglichkeiten: Vor 20 Jahren leitete sie einen normalen Kindergarten und zieht als Zwischenbilanz: Auf den Erzieherinnen laste weniger Druck. Die Kinder hätten mehr Platz zum Spielen und könnten sich besser entfalten.

Start geglückt

Der Start des Waldkindergartens scheint geglückt. An drei Tagen (Mittwoch bis Freitag) in der Woche verbringen die Kinder den Vormittag mitten in der Natur. Zum Aufwärmen allerdings steht ein Bauwagen zur Verfügung. Und sollte es wegen Blitz und Donner oder Windbruchs gefährlich werden im Wald, gibt es einen Raum im nahe gelegenen Anwesen der Familie Albrecht. Demnächst werden Gelder des Freistaates fließen, die diese Einrichtung unterstützen. 'Dann können wir eine weitere Erzieherin einstellen und unsere Wochenstundenzahl erhöhen', sagt Rapp.

Legosteine oder eine Brio-Eisenbahn freilich findet man nicht bei den Allgäuer Waldwichteln. Das Spielzeug entdecken die Kinder im Wald: Moos, Steine, Äste oder Rinde. Die Schaukel ist selbst gebastelt und besteht aus einem Fahrradschlauch und zwei dicken Seilen, die um zwei Baumstämme geschwungen sind. Na ja, und manchmal kommt ja sogar der Osterhase vorbei.

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