Marktoberdorf
Das Wohl der Schüler war ihm das Wichtigste

Für Wehmut hat Leonhard Reichhart momentan noch überhaupt keine Zeit, denn es steht das Schuljahresende an. Das heißt Zeugnisse schreiben und signieren, Reden für verschiedene Feiern vorbereiten und viel Verwaltungspflichten erledigen - mit einem Wort: Stress. Der hat für Reichhart allerdings bald ein Ende. Der Rektor der Marktoberdorfer Hauptschule geht am nächsten Freitag, wenn die Ferien beginnen, in Ruhestand. Nachfolger wird der bisherige Konrektor Günter Frank.

Leonhard Reichhart, geboren und zur Schule gegangen in Kraftisried, ist ein echtes Urgestein der Marktoberdorfer Hauptschule. Als die Schule vor 35 Jahren gegründet wurde, begann er dort als Lehrer. «Damals war natürlich noch vieles anders. Ich habe in einer Klasse mit 43 Schülern angefangen», erinnert sich der 62-Jährige. Eigentlich ging Reichharts Ausbildung in Richtung Landwirt. Doch als sich 1966 die Möglichkeit ergab, das Bayernkolleg in Augsburg zu besuchen, nahm Reichhart die Chance wahr. Nach dem Wehrdienst schloss er sein Studium an der Hochschule Augsburg ab und begann seine Lehrerlaufbahn 1973 in Wertingen. «Eigentlich hätte ich in Seeg anfangen sollen, doch zehn Tage vor Amtsantritt kam ein Anruf vom Ministerium, dass ich nun in Wertingen beginne», erzählt Reichhart.

Nach einem Jahr in Wertingen klappte es dann doch mit seiner Heimatregion - 29 Jahre als Lehrer und sechs als Schulleiter. Die 35 Jahre an «seiner» Schule wird Reichhart, der Geduld als eine seiner Tugenden bezeichnet, immer in positiver Erinnerung behalten: «Hier an der Schule kann man sich immer noch richtig wohlfühlen. Die Arbeitsstelle wurde für mich ein Stück Heimat», sagt er und lächelt ehrlich. Sein Hauptaugenmerk galt dabei immer den Schülern: «Jeder soll so gut es geht individuell gefördert werden.»

«Kein Schüler ohne Abschluss»

Für die Schüler hat er viel bewegt. In seiner Zeit als Rektor wurden Aula und Turnhalle errichtet, das Schulhaus zu einem Großteil renoviert und die Praxis- und Ganztagesklassen eingeführt. «Es war uns einfach wichtig, keinen Schüler ohne Abschluss zu entlassen», sagt Reichhart im Hinblick auf die Praxisklasse, in der Schüler ohne Ausbildungsplatz betreut werden.

Die Schüler sind es auch, die er vermissen wird. Keinesfalls fehlen wird ihm der bürokratische Aufwand: «Der wurde im Lauf der Jahre immer schlimmer», sagt er. Für ihn hat das nun ein Ende. «Nun habe ich endlich Zeit für meine vier Enkel und für mich selbst.» Reichhart hat sich vorgenommen, Spanisch zu lernen, sich mehr um den eigenen Garten zu kümmern und Deutschland zu erkunden. «Langweilig wird mir sicher nicht», meint er lächelnd.

«Und es wird mir sicher nicht passieren, dass ich am ersten Tag nach den Ferien um halbsechs Uhr morgens aufwache.»

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