Maierhöfen / Grünenbach
Das Westallgäu im Mittelpunkt

Vor 25 Jahren ragte der erste «Finger» aus dem Eistobel heraus. Die neue Argentobelbrücke über das Naturschutzgebiet wurde errichtet. Das Bauwerk, im neuartigen Bogenklappverfahren hergestellt, war eine technische Sensation. Bis dahin war das einmalig in Europa bei Brücken dieser Größe.

Die beiden Bogenhälften wurden erstmals aufrecht stehend mittels Kletterschalung hergestellt und anschließend in ihre endgültige Lage abgeklappt, um möglichst naturschonend vorzugehen.

Der waghalsige Bau lockte damals Hunderte von Fachleuten aus aller Welt und Tausende Schaulustige ins Westallgäu. Mitte November 1984 wurden die beiden Bogenhälften zusammengeklappt. Ein außergewöhnliches Schauspiel. Das Westallgäu war für einen Augenblick im Mittelpunkt, die Brücke wurde zur Pilgerstätte. Im Oktober 1986 wurde der Verkehr über die Obere Argen von Landtagspräsident Dr. Franz Heubl frei gegeben.

Beton ersetzte Stahl. 1907 galt die «alte» Brücke über den Tobel ebenfalls als ein technisches Meister- wenn nicht gar Wunderwerk. Die größte und schönste in Bayern, hieß es damals. Der Prinzregent kam zur Einweihung. Die Stahlgitterkonstruktion von MAN ersetzte die Holzbrücke aus dem 19. Jahrhundert im Tal.

Die Brücke war schon in der Denkmalliste, trotzdem wurde sie im Oktober 1987, gerade 80 geworden, gnadenlos gesprengt, weil sie angeblich dem modernen Verkehr nicht mehr gewachsen war. Statt das herausragende Denkmal bayerischer Ingenieurskunst zu pflegen, hatte man es vor sich hin rosten lassen. Eine Sanierung wollte man sich nicht gönnen. Als Radfahrer- und Fußgängerbrücke hätte der imposante Überweg immer noch getaugt. Die Brücke widersetzte sich der Sprengung. Es musste Stück um Stück geschweißt werden.

Landrat Klaus Henninger, der Kreisheimattag, einige Bürgermeister und Kreispolitiker kämpften vergebens um den Erhalt des Denkmals. Ministerpräsident Franz-Josef Strauß sprach das Machtwort. Ja, wenn das Bauwerk in oder um München gestanden wäre Solche Brücken sind heute weltweit Anziehungspunkt für Touristen.

Seit April 1993 steht ein Modell im Maßstab 1:45, mit 160000 Schrauben in 1600 Arbeitsstunden von den beiden Lindenbergern Karl Lingg und Vidhaya Suksamosorn gefertigt, am Eingang zum Eistobel in einem Museum, das Dr. Karl Häberle (Lindenberg) zu verdanken ist.

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