Interview
«Das waren die Lieblingslieder meines Vaters»

In der Zusammenarbeit mit der SWR Big Band schließe sich für sie ein Kreis. Das sagt die 58-jährige Sängerin Helen Schneider im Interview mit unserer Zeitung. Am Samstag, 7. Mai, gastiert die US-Amerikanerin mit Wohnsitz Berlin, die als Musical-Darstellerin berühmt wurde, mit dem Stuttgarter Orchester beim Jazzfrühling in Kempten.

Frau Schneider, Sie treten zum ersten Mal beim Jazzfrühling auf. Was reizt Sie an solch einem Festivals?

Schneider: Veranstaltungen dieser Art sind meistens sehr gut organisiert. Man trifft ein interessantes und kundiges Publikum. Das beflügelt auch die Künstler.

Was werden Sie den Zuhörern bieten?

Schneider: Ich werde gemeinsam mit der SWR Big Band unser aktuelles Album «The world we knew» mit der Musik von Bert Kaempfert präsentieren.

Wie kam die Zusammenarbeit mit der SWR Big Band zustande?

Schneider: Die Big Band und ich kennen uns seit vielen Jahren. Wir haben schon lange überlegt, wie wir ein gemeinsames Projekt auf die Beine stellen können. Dann kam die Idee von meiner Plattenfirma zum Bert-Kaempfert-Album. Ich war gleich begeistert, weil sich für mich ein musikalischer Kreis schließt.

Inwiefern?

Schneider: Ich habe vor etwa vier oder fünf Jahren angefangen, mich auf eine musikalische Zeitreise zu begeben, mit dem Ergebnis, dass 2007 mein Album «Like a woman» veröffentlicht wurde. Mit den Songs darauf gehe ich zurück zu den Anfängen meiner Musikkarriere: zu Bob Dylan, Tom Waits, Carole King. Die Reise hat mir sehr gefallen. Danach kam die Platte mit Till Brönner - und es ging weiter zurück zu den Liedern, die ich von meiner Mutter gelernt habe.

Das, was man damals Pop nannte, nennen wir heute Jazz oder Classic-Jazz. Weil dieses Album ein großer Erfolg war, schlug meine Plattenfirma das Projekt mit der SWR Big Band vor. Die Kompositionen von Bert Kaempfert waren die Lieblingslieder meines Vaters. So kommt eins zum anderen. Das passiert nicht oft im Leben.

Viele Menschen kennen und lieben die Songs von Bert Kaempfert, ohne zu wissen, wer sie geschrieben hat. Ging es Ihnen auch so?

Schneider: Ja, das war schon eine Überraschung. Er ist einfach nicht so bekannt wie Cole Porter oder George Gershwin, besonders in den USA. Aber im Fernsehen war er ein Star. Alle kannten seine Lieder! Für mich war das ein großes Aha-Erlebnis.

Welche Resonanz hat die CD «The world we knew» bisher erhalten?

Schneider: Zu meiner großen Freude kommt sie sehr gut an. Ich bekomme immer wieder positive Rückmeldungen.

Wissen Sie noch, welches der Lieblingssong Ihres Vaters war?

Schneider: Ohne Zweifel L-O-V-E.

Und was ist Ihr persönlicher Favorit?

Schneider: Ich bin ein großer Fan von «Strangers In The Night», weil das neue Arrangement auf der CD anders ist als bei anderen Versionen. Es hat eine andere Akkordstruktur, eine besondere Melancholie. Ich singe es sehr gerne.

Frank Sinatra hat dieser Song bis heute unvergessen gemacht. Wie gehen Sie als Frau an die Interpretation heran?

Schneider: Natürlich so, wie ich bin. Wenn ich im Konzert auf der Bühne singe, dann spiele ich keine Rolle. Das geht nicht bei mir. Ich stehe ganz dahinter, als Frau.

Hat die Rückkehr zu Ihren Wurzeln und zur Musik Ihrer Eltern auch etwas mit dem Alter zu tun?

Schneider: Rückblicke sind mir sehr wichtig. Ich bin im Laufe der Jahre sehr nachdenklich geworden. Ich bin jetzt 58 und habe das Gefühl, ich muss mich irgendwie sammeln, um intelligenter in die Zukunft zu gehen. Ich bin sehr neugierig und habe auch musikalisch sehr viele unterschiedliche Interessen. Ich denke, es liegen noch ein paar Abenteuer vor mir. Interview: Kirsten Gregor

Das Konzert mit Helen Schneider und der SWR Big Band ist ausverkauft.

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