«Das Volk steht hinter Karl Heinle»

Wiggensbach | ell | Wenns um Karl Heinle geht, ist den Wiggensbachern kein Sprachbild zu kräftig: «Das Volk von Wiggensbach steht wie eine Eins hinter Karl Heinle», schreibt Manfred Epple, der mit anderen eine Unterschriftenaktion startete. Dabei ist Karl Heinle kein berühmter Star, er betreibt lediglich einen Edeka-Laden im Ort. Doch in den vergangenen Wochen gingen die Wiggensbacher für den unauffälligen Mann auf die Barrikaden.

Mehr als 2000 von 4700 Einwohnern machten sich durch ihre Unterschrift dafür stark, dass der Edeka-Lebensmittelmarkt mitten im Ort bleibt und nicht draußen vor dem Dorf neu und groß gebaut wird. Als die Listen nun Edeka-Repräsentanten überreicht wurden, machten die Wiggensbacher den Herren aus München klar: «Wir gehen nicht zu Edeka einkaufen, wir gehen zu Heinle.»

Mit großem Neubau gerechnet

Dabei hat der 43-Jährige, der die Wiggensbacher seit 1997 mit Lebensmitteln versorgt, die Kündigung von Edeka zum 31. Dezember schon seit Wochen in der Tasche. Zeitgleich hat der selbstständige Einzelhändler selbst gekündigt, weil er mit einem großen Neubau vor Ort rechnete. Jetzt freilich, nach einer Welle des Protests gegen die Edeka-Pläne, sieht alles anders aus.

Heinle wills beweisen: «den Edeka-Leuten, mir selbst und den Wiggensbachern.» Er will beweisen, dass er aus Fehlern lernen kann und mit Unterstützung kompetenter Kollegen die Schrauben so drehen kann, dass der Laden Gewinn erzielt. Offen und ehrlich räumt der Oberstaufener seine Defizite ein: «Ich bin zu viel auf der Fläche und habe das Rückwärtige vernachlässigt», wobei er mit «Fläche» den Verkaufsraum und mit dem «Rückwärtigen» Buchführung, Rechnungen schreiben und Preiskontrolle meint. Da lief ihm in diesem Jahr «einiges aus dem Ruder», bedauert er reuig.

Wies so weit kommen konnte bei einem Mann, dem als jungem Einzelhandelskaufmann bescheinigt wurde, ein besonders glückliches Händchen bei der Büroarbeit zu haben? Heinle verlor vor zwei Jahren einen wichtigen Mitarbeiter, verlor Geld bei der Schließung eines Spar-Ladens in Oberstaufen und war vor allem im Umgang mit Kunden, Vereinen und Mitarbeitern immer großzügig - «zu großzügig», wie er heute meint. Seine soziale Ader werde von den Wiggensbachern geschätzt, ist er sicher. Aber manch einer habe ihn wohl auch ausgenutzt.

Darunter soll nun ein Schlussstrich gezogen werden. Zwar haben die Edeka-Repräsentanten bei der Übergabe der Unterschriften versichert, dass die Wiggensbacher auch nach dem 31. Dezember bei Edeka einkaufen könnten, der Laden also voraussichtlich nicht gleich dicht gemacht wird.

Ob Karl Heinle allerdings noch eine Chance bekommt und zumindest drei bis sechs Monate länger die Geschäfte führen darf, steht noch in den Sternen. Nichts wünscht sich der 43-Jährige mehr, als zeigen zu dürfen, dass er die Karre aus dem Dreck ziehen kann. Und nichts wünschen sich die Wiggensbacher mehr, als «ihren» Heinle dabei unterstützen zu dürfen.

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