Kaufbeuren
Das Spiel mit den Rabatten

«Der Winterschlussverkauf ist nicht mehr das, was er einmal war», sagt Harald Hoffmann, Mitinhaber des Neugablonzer Sportgeschäfts Intersport Hoffmann. Wenn früher der Rotstift bei der Winterbekleidung- und ausrüstung angesetzt wurde, strömten die Kunden in Scharen in die Läden. Seit 2005 gibt es den Schlussverkauf offiziell nicht mehr - und dennoch gehört er für die Geschäftsleute nach wie vor dazu. Nur dass die Preise eben nicht zum letzten Montag im Januar, dem einstigen Stichtag, kollektiv purzeln. «Wir reduzieren gezielt die ganze Saison über. Seit Anfang des Jahres geht es jetzt über das gesamte Wintersortiment», erklärt Hoffmann, der mit den Geschäftszahlen in diesem Winter bislang vollauf zufrieden ist.

Der Modemarkt C&A hat bereits kurz nach Weihnachten mit den Nachlässen begonnen. In der ersten Phase wurde die komplette Winterware um 30 Prozent reduziert, seit dieser Woche sogar um bis zu 70. Als «Sortimentsbereinigung» bezeichnet Filialleiterin Sandra Fischer den Ausverkauf. Schließlich muss in den Verkaufsräumen und Lagern Platz geschaffen werden, weil schon bald die Frühjahrskollektion eintrifft. Dem klassischen «WSV» von einst trauert sie kaum hinterher: «Früher hast du gewusst: da brummt mit einem Mal die Hütte und alles kommt weg. Jetzt verläuft es sich etwas, aber auch so wird alles verkauft.» Wann und wie man reduziert, müsse eben jeder selber wissen.

Kunden wollen Schnäppchenjagd

Dass es keinen einheitlichen Termin mehr für den Schlussverkauf gibt, begrüßen jedoch nicht alle Händler. «Einige gehen mittlerweile schon vor Weihnachten runter, bevor der Winter überhaupt so richtig eingekehrt ist», erzählt Evelyn Klement, Inhaberin der Damenboutique Evelyn in Neugablonz. Das sei mitunter recht konfus. Verzichten will sie auf die saisonalen Nachlässe aber nicht und hat daher auch ihre Winterkleidung Mitte Januar vergünstigt: «Die Kunden wollen diese Schnäppchenjagd. Es gibt ihnen ein gutes Gefühl, etwas günstig ergattert zu haben.»

Zum Reduzieren der Preise brauche man generell ein gutes Händchen, meint Markus Hein, Inhaber des gleichnamigen Herrenausstatters in Kaufbeuren. «Man muss seine Kunden und den Standort kennen», so der Geschäftsmann. Wer bereits beim Einkauf der Ware daneben liege, müsse eben früher reduzieren. Die Konkurrenz zu beäugen, bringe daher nichts.

Mit dem Zeitpunkt des Preisnachlasses solle es jeder halten, wie er es für richtig empfindet. «Prinzipiell kommt der Schlussverkauf immer zu früh fürs Allgäu mit seiner langen Wintersaison», sagt Hein. Aber da gäben eben der Norden, wo der Frühling normalerweise früher einkehrt, und die Textilindustrie den Takt vor.

In Kürze rückt bereits die Frühjahrsmode in die Schaufenster vieler Bekleidungsgeschäfte. Der Schlussverkauf der Wintersachen wird allerdings darüber hinaus andauern. Ein kurzer Blick aus dem Fenster offenbart: mit dem Winter ist wohl noch lange nicht Schluss.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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