Marktoberdorf
«Das Museum ist nah an den Menschen»

Herbstzeit ist Museumszeit - und die 10. Marktoberdorfer Museumsnacht lockte mit Ausstellungen, bildender Kunst und Musik, mit der Verbindung von Heimatgeschichte und internationaler Kultur, originellen Ideen und kulinarischen Köstlichkeiten viele Besucher an. Wer sich auf den Weg zu Stadtmuseum, Hartmann- oder Künstlerhaus machte, erlebte einen besonderen, unterhaltsamen und auch berührenden Abend.

Auf der Treppe im Stadtmuseum drängten sich kleine Sängerinnen und Sänger. Die Chorklasse der Grundschule Thalhofen unter Julia Henkels Leitung sorgte mit Rhythmus und Spaß gleich zu Beginn für fröhliche Stimmung. Aber auf allen Etagen von Stadt-, Riesengebirgs- und Paul-Röder-Museum ließ sich Attraktives entdecken.

Nicht nur viele Kinder bestaunten Rudolf Müller-Tolks Seilerei nach mittelalterlichem Vorbild. Auf großes Interesse stießen Annelies Binders Rosenkränze - nach benediktinischer Tradition aus Kornelkirschkernen gekettelt -, Waltraud Woisetschlägers zierliche Klöppelarbeit und Friedrich Hamatscheks Edelweißschnitzereien aus Wertachweiden. Es gab viel zu sehen, zu fragen und zu probieren. Auch leckere römischen Speisen, von den Mitgliedern des Fördervereins Römerbad stilecht gewandet serviert - von Genießern gelobt.

Ein Spaziergang hinüber zum Künstlerhaus: Archaische Klänge wiesen den Weg in den Hof: Die Alphorngruppe des Füssener Musikvereins «Harmonie» unter Leitung von Patrizia Rösler intonierte die «Alfonspolka». Ihr Schwung geleitete das Publikum in die neu eröffnete Ostallgäuer Kunstausstellung. Hier stellten sich sieben kleine Damen im Alter von drei bis acht Jahren zum Tanz auf. Samama Arualp hatte die traditionellen Bewegungen zu moderner türkischer Musik in einer eigenen Choreografie einstudiert und ihre Kindertanzgruppe «Die kleinen Hadises» wurde mit herzlichem Beifall bedacht.

Vor dem Haus verbanden sich die Alphornklänge mit der Stille und Klarheit des Herbstabends. Zurück ins Stadtmuseum, um zwei fesselnde Diavorträge nicht zu verpassen. Peter Herbst führte mitten hinein nach Alt-Oberdorf. Erinnerungen wurden im dicht gedrängten Publikum laut: die alte Schlosslinde, das Bad an der Wertach, die Skischanze. Die Fotos gingen zurück bis 1880.

Das harte Los der ländlichen Bevölkerung im 19. Jahrhundert, auch in Marktoberdorf, schilderte Heinrich Maul. Wer nach Amerika auswanderte - oft unter unvorstellbar elenden Bedingungen - musste die Bewilligung am hiesigen Landgericht protokollieren. Es brauchte oft Generationen, um zu bescheidenem Wohlstand zu kommen. Ganz anders der Eindruck derselben Zeit im Hartmannhaus. Die liebevoll eingerichteten Räume, die Kindheit und alte Geborgenheit atmen, wurden mit sichtlicher Freude betrachtet.

Begeisterte Besucher

Auf reges Interesse stieß Maya Heckelmann im Künstlerhaus mit ihren Führungen durch die Ausstellung. Als Ausklang spielte dort Bahattin Beyaz türkische Kunstlieder und rhythmische Volksmelodien auf den Saiteninstrumenten Saz - einer Art türkischer Laute - und Oud. Dazu sang er meditativ.

Die Vorbereitung der vielen Beteiligten auf die Museumsnacht wurde belohnt. Viele Besucher reagierten begeistert. So die gebürtige Schweizerin Rosmarie Rüedgg, die seit einem Jahr am Ort lebt: Sie lobte die familienfreundliche «super Veranstaltung»: «Das Museum ist nah bei den Menschen.»

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